Europäische Ligen kritisieren FIFA-Pläne zur WM-Erweiterung

Noch stärker aufgeblähte WM: Europas Ligen nehmen nächsten Infantino-Plan auseinander

Die Organisation European Leagues hat die von der FIFA in Auftrag gegebene Analyse zur möglichen Aufstockung der Weltmeisterschaft auf 64 Mannschaften scharf kritisiert. Der Verband, der professionelle Ligen in Europa vertritt, äußerte Bedenken hinsichtlich des kurzen Bewertungszeitraums von nur vier Wochen und des Mangels an Konsultationen mit Ligen, Vereinen und Spielern.

Laut European Leagues dürfe der FIFA nicht gestattet werden, weiterhin einseitige Entscheidungen zu treffen, die den Interessen der Ligen, Vereine, Spieler und Fans entgegenwirken. Diese Akteure tragen durch ihre Bemühungen und Investitionen zum Wert internationaler Fußballwettbewerbe bei.

Kritik an FIFA-Führung und Reformforderungen

Die European Leagues fordern eine Reform der Führungsstrukturen der FIFA, um sicherzustellen, dass alle relevanten Interessengruppen eine formelle Rolle bei Entscheidungen spielen. Solange solche Reformen ausbleiben, lehnt der Verband die Erweiterung oder Schaffung neuer FIFA-Wettbewerbe ab.

Die Organisation äußerte sich auch zum Scheitern der Investorenpläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Sie bezeichnete das Ergebnis als „einzig logisch“ und stellte Fragen zur Führung, internen Kultur und Entscheidungsfindung der FIFA.

Berichten zufolge plant der Weltverband, ein unabhängiges Unternehmen mit der Untersuchung der Auswirkungen einer erneuten WM-Erweiterung zu beauftragen. Dieses Unternehmen soll bis zum 14. August ausgewählt werden, und die Analyseergebnisse sollen bereits am 11. September vorliegen. Gianni Infantino hatte eine Vergrößerung des Teilnehmerfeldes bereits während des Turniers in den USA, Mexiko und Kanada in Aussicht gestellt.

FIFA-Krisensitzung in Rabat und Marokkos Einfluss

Die FIFA traf sich am 5. August 2026 zu einer Krisensitzung in Rabat, Marokko. Dort sollten Infantino und ranghohe Mitarbeiter über das weitere Vorgehen beraten. Marokko, das auch dank seines Verbandspräsidenten Fouzi Lekjaa großen Einfluss hat, spielt eine wichtige Rolle für die FIFA.

Das „Complexe Mohammed VI de Football“ außerhalb von Rabat beherbergt das Fußballmuseum, den Fußballverband und die Akademie des nordafrikanischen Landes. Gianni Infantino eröffnete dort am 26. Juli 2025 das FIFA-Büro für Afrika.

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Gianni Infantino hätte gerne eine noch größere WM.(Foto:IMAGO/Mark Pain) Credit: n-tv.de

Der nächste Kongress des Weltverbandes, bei dem ein neuer Präsident gewählt wird, findet am 18. März 2027 ebenfalls in Rabat statt. Trotz des Widerstands gegen seine Investorenpläne behält Infantino weiterhin Unterstützer, insbesondere in Afrika.

Der marokkanische Fußballverband ist einer der wichtigsten in Afrika und hat in den letzten Jahren, mit Unterstützung von Infantino, Milliarden von Euro in die Entwicklung des Fußballs investiert. Dies zielte darauf ab, die Qualität der Nationalmannschaften zu verbessern und den Einfluss des Landes zu stärken.

Fouzi Lekjaa, Präsident des marokkanischen Fußballverbandes FRMF, Vizepräsident des afrikanischen Kontinentalverbandes und Mitglied im Rat der FIFA, ist ein wichtiger Verbündeter Infantinos. Lekjaa, der auch im Finanzministerium Marokkos tätig ist, stellte sich öffentlich hinter Infantino, obwohl er die Aufgabe des Investorenplans als richtig empfand.

Marokko wird zusammen mit Spanien und Portugal Gastgeber der Weltmeisterschaft 2030 sein. Es ist noch offen, ob die Teilnehmerzahl bei 48 Teams bleibt oder auf 64 aufgestockt wird. Auch der Endspielort ist noch nicht vergeben, wobei das im Bau befindliche Stade Hassan II in Casablanca, das für 115.000 Zuschauer ausgelegt ist, als möglicher Kandidat gilt.

Source: n-tv.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.