Vorschlag der NADA und Ansahs Reaktion
Kurz vor Beginn der Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham sieht sich der deutsche Rekordsprinter Owen Ansah mit einem Vorschlag der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) für eine vierjährige Sperre konfrontiert. Die NADA begründet ihren Vorschlag damit, dass Ansah sich geweigert oder es unterlassen habe, eine Dopingprobe abzugeben. Ansahs Anwalt, Rainer Tarek Cherkeh, hat jedoch mitgeteilt, dass sein Mandant diesen Vorschlag „nicht akzeptieren“ werde.
Sollte Ansah den Vorschlag der NADA annehmen, würde sich die Dauer der Sperre automatisch auf drei Jahre reduzieren. Da Ansah den Vorschlag jedoch ablehnt, wird voraussichtlich ein Disziplinarverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht eingeleitet. Die Sperre würde laut Mitteilung erst mit dem Tag der finalen Entscheidung der NADA, eines Disziplinarorgans oder der Akzeptanz der vorgeschlagenen Sperre beginnen.
Die NADA schlägt zudem vor, alle Wettkampfergebnisse von Ansah ab dem 9. Juli zu annullieren. Dies würde unter anderem seine deutschen Meistertitel über 100 und 200 Meter betreffen, die er Ende Juli in Bochum-Wattenscheid gewonnen hatte. Auch mögliche Medaillen und Erfolge bei den kontinentalen Titelkämpfen wären davon betroffen.
Hintergrund der Situation
Der Vorfall, der zu diesem Vorschlag führte, ereignete sich Anfang Juli. Ansah wird vorgeworfen, einem NADA-Kontrolleur die Abgabe einer Dopingprobe verweigert zu haben. Laut Ansahs Darstellung klingelte der Kontrolleur am 9. Juli gegen 14:30 Uhr außerhalb seines vorgesehenen Zeitfensters, als er gerade zum Flughafen aufbrechen wollte, um an einem Diamond-League-Rennen in Monaco teilzunehmen. Ansah gab an, unter Zeitdruck gestanden zu haben und kurzfristig keine Probe abgeben zu können, da er kurz zuvor die Toilette besucht hatte.
Ansah erklärte, er habe die Situation mit dem Kontrolleur besprochen und es seien ihm keinerlei Konsequenzen aufgezeigt worden. Der Kontrolleur soll ihm sogar viel Glück für Monaco gewünscht haben. Ansah flog daraufhin zum Meeting und lief am 10. Juli die 100 Meter in 10,01 Sekunden auf Platz vier.
Sein Anwalt Rainer Tarek Cherkeh widerspricht der Darstellung der NADA vehement. Er betonte, dass Owen Ansah zu keinem Zeitpunkt die Durchführung einer Dopingkontrolle verweigert oder die Abgabe einer Probe abgelehnt habe. Auch habe Ansah zu keinem Zeitpunkt den Eindruck erweckt, eine Dopingkontrolle nicht durchführen zu wollen.
Laut ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt ist eine verweigerte Dopingkontrolle, unabhängig von den Gründen, mit vergleichbaren Sanktionen wie eine positive Kontrolle belegt. Er wies darauf hin, dass die Umstände einer konkreten Situation bei einer Kontrolle vor dem Deutschen Sportschiedsgericht genau berücksichtigt würden. Seppelt merkte an, dass der Athlet in der Situation mündlich und schriftlich über die Konsequenzen einer verweigerten Dopingkontrolle informiert worden sein soll. Sollte dies zutreffen, schätzte Seppelt die Chancen für den Sportler in einem sportrechtlichen Verfahren als nicht allzu gut ein.

Auswirkungen auf die Europameisterschaften
Trotz des Sanktionsvorschlags der NADA wurde Owen Ansah nicht vorläufig suspendiert. Dies bedeutet, dass er bei der Leichtathletik-EM in Birmingham, die vom 10. bis 16. August stattfindet, starten darf. Er wird wie geplant über 100 Meter und 200 Meter antreten. Der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) hat jedoch entschieden, dass Ansah nicht an den Staffel-Wettbewerben teilnehmen wird.
Jörg Bügner, Leistungssport-Vorstand des DLV, erklärte, diese Entscheidung sei nach Rücksprache mit dem Trainer-Team und den Athleten getroffen worden, um Klarheit für alle Beteiligten in Birmingham zu schaffen. Ansah war ursprünglich im 100-Meter-Männer-Quartett sowie in der Mixed-Sprintstaffel vorgesehen. Der HSV-Athlet, der zu den deutschen Medaillenkandidaten zählt, hatte im Juni seinen deutschen 100-Meter-Rekord auf 9,98 Sekunden verbessert.
Ansah selbst äußerte sich vor der EM positiv und betonte, er könne gut Dinge ausblenden. Er freue sich darauf, Deutschland zu repräsentieren. Der DLV steht weiterhin an der Seite seines Athleten, während die NADA die Organisation und Durchführung von Dopingkontrollen sowie das Ergebnismanagement und Disziplinarverfahren verantwortet. Ansah hat 20 Tage Zeit, um die Strafe der NADA zu akzeptieren oder die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beim Deutschen Sportschiedsgericht zu verlangen.
Source: sportschau.de