FIFA-Präsident Infantino kämpft nach UEFA-Boykottdrohung um seine Zukunft

Nach UEFA-Boykottdrohung: FIFA will weitermachen und gibt anderen die Schuld für das Chaos - sportschau.de

Nach einer Boykottdrohung der UEFA und Kritik weiterer Kontinentalverbände sieht sich FIFA-Präsident Gianni Infantino mit erheblichem Widerstand gegen seine Investorenpläne konfrontiert. Die Vorschläge, Anteile an einem neuen Tochterunternehmen zu veräußern, um private Investoren an FIFA-Wettbewerben zu beteiligen, haben zu einer breiten Ablehnung geführt.

Die UEFA hatte am Donnerstag eine beispiellose Boykottdrohung ausgesprochen, sollte die FIFA an den Plänen festhalten. Kurz darauf schloss sich die CONCACAF, der Verband für Nord-, Mittelamerika und die Karibik, der Ablehnung an. Auch die AFC, der asiatische Fußballverband, äußerte sich kritisch und drückte Solidarität mit der UEFA aus. Diese drei Kontinentalverbände verfügen zusammen über eine Stimmenmehrheit innerhalb der FIFA, was die Position Infantinos erheblich schwächt.

Widerstand und interne Reaktionen

Die Pläne Infantinos sehen vor, bis zu 20 Prozent der Anteile an einem neuen Tochterunternehmen zu veräußern, was den Verkauf von Teilen der Fußball-WM bedeuten könnte. Diese Vorgehensweise stieß auf vorhersehbare Empörung, insbesondere da der Deal offenbar im Geheimen vorbereitet wurde. Sogar im engsten Kreis des FIFA-Präsidenten gab es heftige Reaktionen.

Carlos Cordeiro, ein leitender Berater Infantinos, trat aus Protest gegen die Investorenpläne zurück. Er bezeichnete den Vorschlag als ein „schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft des Sports“. Cordeiro betonte, dass er in keiner Weise an diesem Vorschlag beteiligt gewesen sei, was die mangelnde Einbindung selbst enger Berater durch Infantino unterstreicht.

Die FIFA reagierte auf die Kritik mit einem Statement, in dem sie die Pläne als bloßen Vorschlag darstellte und den Prozess durch „fehlerhafte Medienberichte“ gestört sah. Dies bezog sich auf einen Bericht der „Times“ vom Dienstag, der Details der Pläne enthüllte. Die FIFA veröffentlichte daraufhin zumindest einige Details der Investorenpläne und verschickte Schreiben an die Mitgliedsverbände mit einer kurzen Frist bis zum 19. September.

Ein bemerkenswertes Detail der Pläne ist die Aussicht auf eine Sonderzahlung von 20 Millionen US-Dollar für Verbände, die den Vorschlägen zustimmen, während andere leer ausgehen würden. Diese Methode, Zustimmung durch finanzielle Anreize zu sichern, wird von Kritikern als fragwürdig angesehen und als „demokratischer Prozess“ nach Infantinos Art bezeichnet.

Die scharfe Kritik des asiatischen Verbandes ist besonders bemerkenswert, da die AFC bisher oft loyal an der Seite Infantinos stand. Das Statement der AFC drückte Solidarität mit der UEFA aus und kritisierte die Vorgehensweise, wichtige Akteure mit bereits feststehenden Initiativen zu konfrontieren. Dies untergrabe das Vertrauen in die Governance-Struktur der FIFA und schwäche die Autorität ihrer Gremien.

Historische Parallelen und zukünftige Herausforderungen

Es ist nicht das erste Mal, dass Infantino versucht, FIFA-Rechte an Investoren zu verkaufen. Bereits im Jahr 2018 gab es das „Project Trophy“, bei dem er FIFA-Rechte, mutmaßlich an Geldgeber aus Saudi-Arabien, veräußern wollte. Damals ging es um die Klub-WM und eine weltweite Nations League. Auch diese Pläne wurden hinter verschlossenen Türen verfolgt und scheiterten letztlich am Widerstand im FIFA Council.

Die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness, eine langjährige Kritikerin Infantinos, äußerte am Freitag, dass ihr klarer Eindruck sei, dass er sehr viel Vertrauen verloren habe. Die aktuelle Situation müsse als Katalysator für eine Stärkung der institutionellen Reformen dienen. Echte Demokratie messe sich nicht allein an der Möglichkeit zur Abstimmung, sondern beginne mit transparenter Führung, rechtzeitiger Konsultation, fundierter Beratung und echter Beteiligung während des gesamten Entscheidungsprozesses.

Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern München, begrüßte die Boykottdrohung der europäischen Fußballverbände ausdrücklich. Er betonte die Stärke der Europäer und sagte, dass ein Wettbewerb ohne sie „in die Tonne“ zu treten sei. Hoeneß äußerte die Überzeugung, dass Infantino mit seinem Plan nicht durchkommen werde, wenn die Europäer einig und konsequent handeln.

Hoeneß äußerte sich auch zu den Aussagen von Sportvorstand Max Eberl, der Ekel über die FIFA-Pläne geäußert hatte. Er könne mit Eberls klarem Statement „gut leben“. Zu Infantino selbst wollte sich der 74 Jahre alte Hoeneß nicht dezidiert äußern, bestätigte aber, dass seine Meinung „auf jeden Fall“ gegen den FIFA-Präsidenten sei. Er hofft, dass Europas größte Verbände eine Art Allianz schmieden und gemeinsame Interessen vertreten könnten.

Die Krise im internationalen Fußball wird als beispiellos beschrieben. Sollte Infantino seine Pläne wie angekündigt weiterverfolgen, könnte ein UEFA-Boykott bereits in wenigen Wochen greifen. Die U20-WM der Frauen in Polen beginnt am 5. September.

FIFA-Präsident Gianni Infantino
FIFA-Präsident Gianni Infantino Credit: sportschau.de
Die Uefa stellt sich geschlossen gegen die Pläne der Fifa, Investoren stärker an Wettbewerben zu beteiligen, und bringt einen Boykott der nächsten Weltmeisterschaft ins Spiel. Sportökonom Christoph Breuer sieht darin den Schutz der wirtschaftlichen Interessen des europäischen Fußballs.Quelle:WELT TV
Die Uefa stellt sich geschlossen gegen die Pläne der Fifa, Investoren stärker an Wettbewerben zu beteiligen, und bringt einen Boykott der nächsten Weltmeisterschaft ins Spiel. Sportökonom Christoph Breuer sieht darin den Schutz der wirtschaftlichen Interessen des europäischen Fußballs.Quelle:WELT TV Credit: welt.de

Source: sportschau.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.