Kritik an FIFA-Präsident Infantino
Der ehemalige Weltfußballer Luís Figo hat das Ende der Präsidentschaft von Gianni Infantino beim Weltfußballverband FIFA gefordert. In einem Gastbeitrag für die „Daily Mail“ schrieb der frühere portugiesische Nationalspieler, dass die Lösung der Probleme bei der FIFA auf drei Worte reduziert werden könne: „Infantino muss gehen.“
Figo, der nach eigenen Angaben sein Leben lang den Fußball liebt und 20 Jahre lang Profifußballer war, äußerte sich schockiert über die jüngsten Entwicklungen. Er betonte, dass er in seiner Karriere bereits vielen „zwielichtigen Gestalten“ im Fußball begegnet sei. Doch das, was in den vergangenen zehn Tagen ans Licht gekommen sei, bezeichnete er als das „niederträchtigste, betrügerischste und feigste eigennützige Verhalten“, das er je erlebt habe.
Die Kritik an Infantino entzündete sich an seinen Plänen, einen Teil der WM-Rechte an Investoren zu verkaufen. Diese Pläne stießen auf erheblichen Widerstand, wobei die UEFA sogar mit einem Boykott von FIFA-Wettbewerben drohte. Unter massivem Druck zog der Weltverband die umstrittenen Vorhaben schließlich zurück.

Vorwürfe der Bereicherung und Täuschung
Luís Figo kritisierte Infantino scharf und bezeichnete ihn als ein „Relikt aus der Vergangenheit des Fußballs“. Er argumentierte, dass ein Mann, der weitreichende Veränderungen allein durchsetzen wolle, um sich selbst und seine Freunde zu bereichern, keinen Platz in der Zukunft des Fußballs haben sollte. Der 53-Jährige, der 2001 zum Weltfußballer gewählt wurde, arbeitet derzeit als Berater für die Europäische Fußball-Union UEFA, die ebenfalls eine kritische Haltung gegenüber Infantino einnimmt.
In seinem Gastbeitrag warf Figo dem FIFA-Präsidenten vor, das Amt, das er nach eigenen Worten aufwerten wollte, in Misskredit gebracht zu haben. Er habe „gelogen, getäuscht und versucht, sich auf Kosten des Spiels, dem er eigentlich dienen sollte, selbst und seinen Vertrauten Vorteile zu verschaffen.“
Figo betonte, dass es für die Wahrung von Infantinos Würde zu spät sei, aber noch nicht zu spät für die Rettung des Fußballs. Er forderte daher den sofortigen Rücktritt Infantinos.

Hintergrund und politische Entwicklung
Die gescheiterten Investorenpläne haben die Position von Gianni Infantino erheblich geschwächt und könnten sein Amt gefährden. Berichten zufolge soll Infantino eine Krisensitzung in Marokko einberufen haben, um die aktuelle Lage zu besprechen. Der Druck auf den FIFA-Boss nimmt stetig zu, und mehrere Verbände haben ihm bereits die Unterstützung für die anstehenden Präsidentenwahlen entzogen.
Interessanterweise hatte Figo selbst im Jahr 2015 versucht, als Gegenkandidat zum damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter anzutreten. Er zog seine Kandidatur jedoch zurück. Nach dem Rücktritt von Blatter hatte Figo den damaligen Kandidaten Infantino unterstützt. Diese frühere Unterstützung macht seine jetzige scharfe Kritik besonders bemerkenswert.
Gianni Infantino steht seit 2016 an der Spitze des Weltverbands. Die nächsten Wahlen stehen im kommenden Jahr an. Laut Statuten möchte sich Infantino am 18. März 2027 auf dem 77. FIFA-Kongress in Rabat ein letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen lassen.
Die aktuellen Ereignisse zeigen, dass der Widerstand gegen Infantino wächst. Die Notfallsitzung in Rabat, zu der sich Gianni Infantino mit weiterem Spitzenpersonal des Fußball-Weltverbands trifft, findet inmitten der schwersten Krise seiner Amtszeit statt.
Source: spiegel.de