Der ehemalige Nationalspieler Mats Hummels hat FIFA-Präsident Gianni Infantino deutlich für dessen gescheiterten Investorenplan zur Fußball-Weltmeisterschaft kritisiert. Hummels bezeichnete das Vorhaben, die WM zu privatisieren, als „einer der größten Skandale in der Geschichte des Sports“ und fragte, wie man auf eine solche Idee kommen könne.
In seinem Podcast „Alleine ist schwer“ äußerte Hummels, es sei „Wahnsinn“, das größte Sportereignis der Welt den Menschen wegzunehmen und es zu einem „eigenen Ding“ zu machen. Er betonte die verbindende Kraft der vierwöchigen Fußball-Weltmeisterschaft alle vier Jahre. Hummels vermutet, dass „Macht und Geld irgendwann eine Droge“ seien.
Kritik an der FIFA-Führung
Obwohl Infantinos Plan nicht umgesetzt wurde, sieht der 78-fache Nationalspieler den Weltverband auf einem ungünstigen Weg. Hummels erklärte, die FIFA unternehme in den letzten Jahren alles, um den Fußball unpopulärer zu machen. Er warf den Entscheidungsträgern im Weltverband vor, den Fußball aus Eigeninteresse „einmal komplett finanziell auszumelken“.
Dies könnte dazu führen, dass Menschen in einigen Jahren oder Jahrzehnten keinen Fußball mehr verfolgen, weil sie sich die Kosten nicht mehr leisten können. Hummels berichtete von seinen eigenen Erfahrungen als TV-Experte während der WM in den USA, Mexiko und Kanada. Er empfand es als problematisch, wenn Fans sich keine Stadiontickets mehr leisten können, da die Preise zu hoch seien.

Hummels drückte seine Traurigkeit über teilweise leere Stadien aus. Auch die pauschal eingeführten Hydration Breaks, die seiner Meinung nach der Werbung und der Generierung weiterer Einnahmen dienen, stießen beim ehemaligen Dortmunder auf Ablehnung.
Infantinos Zukunft und politische Verbindungen
Hummels erwartet nicht, dass Infantino nach diesem Vorstoß eine langfristige Zukunft als FIFA-Präsident haben wird. Er lobte den „großen UEFA-Widerstand“ und befand es als „richtig gut“, wie aggressiv der europäische Dachverband dagegen vorgegangen sei.
Die letzte öffentlich dokumentierte Begegnung zwischen Gianni Infantino und Donald Trump fand kurz nach dem WM-Finale in der Arena von East Rutherford statt. Dabei fügte sich der US-Präsident in das Siegerfoto des spanischen Weltmeisterteams ein. Infantino soll Trump daraufhin von der Bühne geschoben haben.

Donald Trump hat sich mit einem Statement zugunsten von Gianni Infantino in den FIFA-Machtkampf eingeschaltet. Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social, dass der Fußball-Weltverband einen „schrecklichen Fehler“ begehen würde, sollte er eine Ablösung Infantinos in Betracht ziehen. Trump lobte Infantino und erwähnte, dass dieser ihm im Jahr 2025 einen neu geschaffenen FIFA-Friedenspreis verliehen hatte. Er bezeichnete Infantino als „fantastisch“ und schrieb, dass dieser „die erfolgreichste Weltmeisterschaft aller Zeiten geleitet“ habe.
Ohne Infantino werde es „nie wieder solch eine erfolgreiche oder profitable WM geben“, so Trump. Berichte, wonach Infantino wegen seines gescheiterten Investorenplans Unterstützung im Weißen Haus gesucht habe, wurden von der FIFA als „frei erfunden“ zurückgewiesen. Trump selbst gab an, nicht mit Infantino darüber gesprochen zu haben.
Infantino hatte in der Vergangenheit Donald Trump mehrfach als „großartigen Freund“ bezeichnet. Unter Infantinos Führung vergab die FIFA die WM 2026 an die USA, Kanada und Mexiko. Anfang 2025 war der Schweizer zudem bei Trumps zweiter Amtseinführung anwesend.
Ende 2025 verlieh Infantino Trump einen neu ins Leben gerufenen FIFA-Friedenspreis, was von Kritikern als Gefälligkeit für den US-Präsidenten interpretiert wurde. Ein unbestätigter Bericht der „New York Post“ deutete an, dass Trump sich revanchieren und Infantino angeblich als künftigen UNO-Generalsekretär vorschlagen wollte.
Die Justiz ermittelt weiterhin im Umfeld von Trump, den USA und dem Fußball.
Infantino steht wegen seiner Amtsführung und umstrittener Zukunftspläne in der Kritik, was zu Rücktrittsforderungen führte. Sein Vorhaben, Rechte an FIFA-Turnieren an private Investoren zu verkaufen, um Milliarden zu erzielen, wurde aufgrund der Empörung begraben. Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet ist, sollte über seine Investmentfirma eine Schlüsselrolle in diesen Plänen übernehmen.
Der Machtkampf im Fußball erfasste mehrere Kontinentalverbände. Die Dachverbände Europas (UEFA), Asiens (AFC), Nord- und Mittelamerikas sowie der Karibik (Concacaf) äußerten in einem offenen Brief gemeinsam ihre Kritik an Infantino, warfen ihm Täuschung vor und forderten weiterhin einen Neuanfang an der Spitze des Weltverbands. Die UEFA hält zudem weiterhin am Boykott von FIFA-Turnieren wie der Weltmeisterschaft fest.
Die Justiz ermittelt weiterhin im Umfeld von Trump, den USA und dem Fußball.
Source: n-tv.de