Mont Ventoux: Ein Berg der Erinnerungen und Herausforderungen für die Tour de France Femmes

Vollering und der Mont Ventoux: "Ein Berg, an dem alles begonnen hat" - Eurosport

Vollerings persönliche Verbindung zum Mont Ventoux

Der Mont Ventoux wird bei der Tour de France Femmes 2026 eine entscheidende Rolle spielen, insbesondere im Kampf um das Gelbe Trikot. Für die 29-jährige Top-Favoritin Demi Vollering hat dieser berühmte Anstieg jedoch nicht nur sportliche Bedeutung. Die Niederländerin verbindet mit dem Berg prägende persönliche Erinnerungen, die bis in ihre Kindheit zurückreichen.

Vollering erzählte auf einer Pressekonferenz am Mittwoch nach ihrem Etappensieg in Belleville-en-Beaujolais, dass der Mont Ventoux der erste richtige Berg war, den sie jemals hochgefahren ist. Sie schwärmte von dem „wunderschönen Berg“ und bezeichnete ihn als den Ort, „an dem für mich alles begonnen hat“. Damals war Vollering noch Eisschnellläuferin und reiste im Sommer mit ihrer Trainingsgruppe nach Südfrankreich. Einer ihrer Trainer organisierte regelmäßig Fahrten zum Ventoux und nahm schließlich die gesamte Gruppe mit. In den Jahren danach kehrten sie immer wieder dorthin zurück, bis Vollering Profi-Radsportlerin wurde und nicht mehr an diesen Ausflügen teilnehmen konnte.

Die Erinnerungen an ihre Vergangenheit wurden auch durch ein Wiedersehen mit ihrem Vater vor dem Zeitfahren am Dienstag ausgelöst. Vollering sah ihn nach längerer Zeit wieder und dachte sofort an seine harte Arbeit in der familieneigenen Blumengärtnerei. Sie erwähnte, dass ihr Vater dort jeden Tag bei 30 Grad unglaublich hart in den Gewächshäusern arbeitet. Diese Erinnerung machte Vollering sichtlich emotional, da sie ihr bewusst machte, woher sie kommt und dass „Leiden einfach dazugehört“.

In ihrer Kindheit half Vollering ihrem Vater immer wieder in der Gärtnerei. Ein Trainer verband diesen Umstand kürzlich mit ihrer Stärke bei besonders heißen Etappen, obwohl Vollering selbst nicht näher darauf einging. Aktuell liegt Vollering auf dem zweiten Rang der Gesamtwertung, zwölf Sekunden hinter der Schweizerin Marlen Reusser, die das Maillot jaune trägt. Am Freitag könnte Vollering auf dem Mont Ventoux den Grundstein für den Gewinn des Gelben Trikots legen.

Der Mont Ventoux: Ein Berg voller Mythen und Tragödien

Der Mont Ventoux, auch bekannt als der „Riese der Provence“, ist ein 1910 Meter hoher Koloss aus Kalkstein mit Steigungen von bis zu 15 Prozent, die zu einer Wetterstation auf dem Gipfel führen. Er ist berühmt-berüchtigt für seine mondähnliche Landschaft und die dramatischen Geschichten, die sich dort im Radsport ereignet haben. Am Freitag werden die Frauen bei ihrer Tour de France erstmals diesen mythischen Berg in Angriff nehmen.

Eine der größten Tragödien der Tour de France ereignete sich am 13. Juli 1967, als der Brite Tom Simpson dort ums Leben kam. Simpson, der mit einem Mix aus Amphetaminen und Alkohol unterwegs war, quälte sich in der Favoritengruppe den Berg hinauf. Drei Kilometer vor dem Ziel stürzte er entkräftet vom Rad. Obwohl ein Zuschauer ihm half, wieder aufzusteigen, stürzte er erneut und starb später im Krankenhaus von Avignon. Ein Gedenkstein für Simpson steht 1,5 Kilometer vor dem Ziel. Als Eddy Merckx 1970 die Stelle passierte, bekreuzigte er sich. Merckx benötigte nach seinem Sieg eine Sauerstoffmaske auf dem Gipfel.

Der Mont Ventoux war auch Schauplatz atemberaubender Duelle, wie das zwischen Lance Armstrong und Marco Pantani im Jahr 2000. Pantani siegte damals, während Armstrong die Tour gewann. Später kam ans Licht, dass beide bei ihren Leistungen nachgeholfen hatten. Auch der vierfache Tour-Sieger Chris Froome erlebte am Ventoux einen Schreckmoment. Im Jahr 2016 stürzte er 1,2 Kilometer vor dem Ziel durch ein TV-Motorrad und wurde von einem weiteren Motorrad getroffen, wodurch der Rahmen seiner Rennmaschine brach. Er lief verzweifelt den Berg hinauf, bevor er ein zu kleines Ersatzrad erhielt. Die Rennleitung entschied später, dass die Abstände zum Zeitpunkt des Sturzes genommen wurden, und Froome gewann die Tour.

Die deutsche Meisterin Franziska Koch, die den Berg als 16- oder 17-Jährige mit dem Mountainbike befuhr, äußerte sich erfreut über das Wachstum des Frauenradsports. Ihre deutsche Kollegin Antonia Niedermaier, die eine vordere Platzierung in der Gesamtwertung einnimmt, kennt den Berg dagegen nur von ihrem Analyse-Tool. Der Mont Ventoux bleibt ein Berg, der Radprofis großen Respekt einflößt und nun auch für die Frauen der Tour de France eine neue Geschichte schreiben wird.

Source: eurosport.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.