Uefa hält an Boykottdrohung gegen Fifa fest

Uefa droht der Fifa erneut mit einem Boykott der WM!

Uefa behält Druck auf Fifa-Präsident Infantino bei

Die Uefa droht weiterhin mit einem Boykott von Fifa-Wettbewerben, obwohl Fifa-Präsident Gianni Infantino einen Fehler im Zusammenhang mit einem gescheiterten Investorendeal eingeräumt hat. Die Europäische Fußball-Union betont, dass die Bedingungen für eine Rücknahme der Drohung nicht erfüllt seien.

In einer Erklärung stellte die Uefa klar, dass die Vorschläge zum Verkauf großer Wettbewerbe zurückgezogen werden mussten und eine Zusicherung erforderlich war, dass solche Versuche, den Sport zu verzerren, nicht wiederholt werden. Diese Bedingungen seien nicht erfüllt worden.

Die Uefa hat zudem ihr Vertrauen in die Präsidentschaft von Gianni Infantino verloren und hält an dieser Haltung fest. Die Bekanntgabe, dass einige Angestellte des Fifa-Präsidenten ihm zustimmen, ändere nichts daran.

Infantino erhält Rückendeckung bei Krisensitzung

Trotz der anhaltenden Drohungen der Uefa erhielt Gianni Infantino bei einer Krisensitzung in der marokkanischen Hauptstadt Rabat die volle Rückendeckung der Fifa-Spitze. Eine Erklärung besagte, dass der Fifa-Generalsekretär und die anwesenden Mitglieder der Fifa-Geschäftsleitung ihre uneingeschränkte Unterstützung für Infantino bekräftigten.

Umgekehrt sprach Infantino seinem Generalsekretär Mattias Grafström (45) seine volle Unterstützung aus. Dies geschah, obwohl Grafström sich zuvor öffentlich von Infantino distanziert und in einer internen Fifa-E-Mail von einer „traurigen Reihe von Ereignissen“ gesprochen hatte.

Die Fifa-Spitze räumte ein, dass bei der Investoren-Affäre, die zu zahlreichen Rücktrittsforderungen führte, „Fehler unterlaufen“ seien. Die Führung des Fußball-Weltverbandes demonstrierte nach der Notfallsitzung in Rabat Einigkeit.

Fifa-Chef Infantino in Rabat: Einigkeit nach der Notfallsitzung
Fifa-Chef Infantino in Rabat: Einigkeit nach der NotfallsitzungFoto Credit: spiegel.de

Mattias Grafström und die anwesenden Mitglieder des Management-Boards sicherten Infantino „uneingeschränkte Unterstützung“ zu. Es wurde betont, dass Infantino der „einzige Amtsträger [sei], der von den 211 Fifa-Mitgliedsverbänden gewählt wurde“.

Grafström hatte zuvor in einer internen E-Mail an Fifa-Mitarbeiter angesichts des gescheiterten Plans zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren eine „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“ sowie einen „Aufruhr“ beklagt. Die Fifa räumte ein, dass es nicht beabsichtigt gewesen sei, dem Fifa-Rat und den Fifa-Mitgliedsverbänden „das Gefühl zu geben, vom Prozess ausgeschlossen zu sein“.

Infantinos Zukunft und weitere Entwicklungen

Infantino hatte nach massiven Protesten Pläne zurückgezogen, durch den potenziellen Verkauf eines Teils der kommerziellen Rechte der Fifa, beispielsweise an der Weltmeisterschaft, eine Milliardensumme einzunehmen. Diese Pläne hatten weltweit für Empörung gesorgt, und die Uefa hatte den Schweizer scharf kritisiert.

Trotz des Einlenkens von Infantino wächst insbesondere in Europa der Widerstand gegen ihn. Die Fifa erklärte, dass sie keinerlei Angriffe auf ihre Integrität dulden und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen werde, um ihren Ruf zu verteidigen.

Ein Bericht der „Times“ sorgte für zusätzlichen Wirbel, indem er unter Berufung auf eine anonyme Quelle behauptete, Infantino habe Marokko die Austragung des WM-Endspiels 2030 versprochen und im Gegenzug Unterstützung verlangt. Dies wurde vom Fußball-Weltverband umgehend dementiert.

Die Fifa stellte klar, dass es „falsch und irreführend [sei] zu behaupten, der Fifa-Präsident habe irgendein Versprechen bezüglich der Austragung des Finales der Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft 2030 abgegeben“. Eine Entscheidung werde zu gegebener Zeit getroffen.

Fifa-Insider prognostizieren, dass Infantino im März 2027 wiedergewählt wird, obwohl über seine Zukunft diskutiert wird. Infantino steht seit 2016 an der Spitze des Weltverbandes.

Die Uefa hatte geschlossen mit allen 55 Mitgliedern gedroht, die WM und alle weiteren Fifa-Wettbewerbe zu boykottieren. Auch aus Nord- und Mittelamerika sowie Asien gab es deutliche Kritik, was zeigte, dass das Projekt keine Mehrheit finden würde.

In der Nacht zum Samstag gab Infantino den Plan auf. Er postete nach dem Krisengipfel Unterstützungsschreiben aus der Mongolei und von den Philippinen.

Insgesamt unterstützen demnach acht asiatische Verbände Infantino, darunter auch der ehemalige WM-Gastgeber Katar. Saudi-Arabien, das 2034 erstmals Ausrichter der WM sein soll, hat sich noch nicht positioniert.

Die Fifa räumte ein, kommunikativ Fehler gemacht zu haben, und betonte, dass es nicht beabsichtigt gewesen sei, dem Fifa-Council und den Fifa-Mitgliedsverbänden das Gefühl zu geben, vom Prozess ausgeschlossen zu sein.

Infantino will sich im März 2027 in Marokko für eine weitere Amtszeit bis 2031 wählen lassen.

Source: bild.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.