Uefa-Staaten stimmen einstimmig für Boykott von FIFA-Turnieren

WM: Britische Medien: ALLE Uefa-Staaten stimmen für Boykott nach Plänen von Infantino

Uefa lehnt FIFA-Pläne einstimmig ab

Alle 55 Mitgliedsverbände der Uefa haben sich einstimmig für einen Boykott von FIFA-Turnieren ausgesprochen. Diese Entscheidung wurde auf einem Dringlichkeitstreffen getroffen und richtet sich gegen die Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino, Anteile an der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Die Uefa erklärte in einem offiziellen Statement, dass keine Uefa-Nationalmannschaften an FIFA-Wettbewerben teilnehmen werden, solange diese Pläne weiterverfolgt werden. Dies gelte, es sei denn, der Vorschlag wird vollständig zurückgezogen und die FIFA gibt verbindliche Garantien ab, ihre Führungsstrukturen oder Wettbewerbe niemals wieder für privates Eigentum zu öffnen.

Die Uefa und ihre Mitgliedsverbände betonen, dass sie diese Pläne mit Entschlossenheit bekämpfen werden. Sie sehen den aktuellen Moment als entscheidend an, da Institutionen nicht danach beurteilt würden, was sie zu akzeptieren bereit sind, sondern danach, worauf sie sich niemals einlassen. Die FIFA-Weltmeisterschaft gehöre dem Fußball und dürfe nicht zum Verkauf stehen, solange Europa eine Stimme habe.

Die europäische Fußball-Union kritisiert die Pläne von Infantino scharf, da diese anscheinend im Alleingang beschlossen wurden. Die Uefa bezeichnet es als unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen, dass ein Vorschlag von solch weitreichender Bedeutung im Geheimen entwickelt und beinahe zur Abstimmung gebracht wurde, ohne die Verantwortlichen ernsthaft einzubeziehen. Dies sei ein schwerwiegendes Versagen der Führung und eine Aufgabe der FIFA-Pflicht als Hüterin des Weltfußballs.

Kritik an Infantinos Vorgehen und Ultimatum

Die FIFA und ihr Präsident sind mit dem Plan, Anteile an der WM zu verkaufen, offenbar bereits weit fortgeschritten. Medienberichten zufolge soll Infantino den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt haben, um seinen Plänen zuzustimmen. Für eine Zustimmung verspricht Infantino eine Sonderzahlung. Die Uefa bezeichnet dies als eine Form der Einschüchterung und Nötigung, die einer Institution unwürdig sei, die den Weltfußball verwalten soll.

Die Uefa betont, dass die Weltmeisterschaft nicht wie ein Anlageprodukt behandelt werden dürfe. Sie sei eines der größten Vermächtnisse des Fußballs, das über Generationen hinweg von Spielern, Nationalmannschaften und Fans auf allen Kontinenten aufgebaut wurde. Kein Teil dieses Erbes dürfe jemals an private Investoren abgegeben werden. Die Position Europas sei eindeutig: „Wir werden dieses Modell niemals legitimieren. Niemand hat die moralische Autorität, etwas zu verkaufen, das er ausschließlich treuhänderisch für künftige Generationen verwaltet.“

Der drohende Boykott der Uefa könnte Infantinos Pläne massiv ins Wanken bringen. Ohne die europäischen Teams, darunter Weltmeister Spanien, England, Frankreich und Deutschland, würde die WM ihren sportlichen Wert komplett einbüßen. Die Diskussion betrifft nicht nur die Männer-Weltmeisterschaft 2030, sondern auch die Frauen-WM im kommenden Sommer in Brasilien.

Internationale Reaktionen und die Rolle Asiens

Auch aus Nord- und Mittelamerika kam lauter Widerspruch gegen die Pläne von Infantino. Die afrikanische Konföderation CAF zeigte sich in einem ersten Statement „offen“ für die Pläne. Infantino baut seine Macht auf den Zweiklang aus Afrika und Asien, ähnlich wie sein Vorgänger Sepp Blatter.

Bemerkenswert ist ein Protestbrief des asiatischen Verbandspräsidenten Salman bin Ibrahim Al Khalifa an die 47 asiatischen Mitgliedsverbände. Darin äußert die AFC große Besorgnis und Enttäuschung darüber, dass sie von der FIFA vor der öffentlichen Bekanntgabe in keiner Weise konsultiert wurde, was als „total inakzeptabel“ bezeichnet wird. Die AFC ist zudem besorgt über die „unilateralen Aktionen“ der FIFA, die die Grundlagen des kontinentalen Fußballs untergraben würden, welche auf Solidarität, Kooperation und Transparenz basieren.

Eine Maßnahme dieser Größenordnung müsse zudem anständig geprüft werden, und die von Infantino gesetzte Deadline sei zu früh. Al Khalifa wies zudem auf die Bedeutung der Unterstützung aller regionalen Blöcke hin: „Dieser Plan wird ohne die Unterstützung sämtlicher regionaler Blöcke niemals Erfolg haben.“ Die Härte dieser Ansage ist bemerkenswert, insbesondere da die asiatischen Verbände mit 47 Stimmen eine gewichtige Rolle spielen könnten. Die Abstimmung am 19. September wird zeigen, ob die Kleinstverbände der Aussicht auf hohe Summen widerstehen können.

Mehrere Männer in Anzügen sitzen in einer VIP-Loge eines Stadions. Zwei von ihnen, auf der linken und rechten Seite, gestikulieren und sprechen miteinander. Eine Person in der Mitte hält ein Smartphone. Hintergrund unscharf.
Uefa-Präsident Aleksander Čeferin (l.) und Fifa-Boss Gianni Infantino (r.) werden wohl keine Freunde mehr. Credit: derstandard.de

Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), schloss sich der Kritik an und bezeichnete es als „fatales Zeichen“, die Fußball-WM für Investoren zu öffnen. Er betonte, dass der Fußball von der Akzeptanz der Gesellschaft lebe und nicht zum Spielball von Investoren gemacht werden dürfe. Infantinos Pläne seien „überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig“. Infantino selbst verteidigt sein Vorhaben als „Gelegenheit, keine Verpflichtung“ und verspricht sich davon die „Erschließung bisher nicht realisierter Werte“, um die „kommerzielle Seite des Fußballs“ zu stärken.

Die Uefa bekräftigt ihre Position, dass die 55 Mitgliedsverbände geschlossen zusammenstehen und den Vorschlag der FIFA, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft und anderen FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu übertragen, einstimmig und unmissverständlich ablehnen. Die Frist für die Zustimmung zu Infantinos Plänen läuft am 19. September ab.

Source: bild.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.