Nach der Niederlage im WM-Halbfinale gegen Spanien hat der französische Nationaltrainer Didier Deschamps die Leistung des Schiedsrichters Ivan Barton infrage gestellt. Trotz der Kritik betonte Deschamps, dass die Schuld für das Ausscheiden Frankreichs primär bei der eigenen Mannschaft liege.
Deschamps, der nach dem Turnier seine Tätigkeit als Trainer der französischen Nationalmannschaft beenden wird, äußerte sich unmittelbar nach dem Abpfiff und auf der anschließenden Pressekonferenz kritisch. Er stellte die Frage in den Raum, ob der Schiedsrichter aus El Salvador das Niveau für ein WM-Halbfinale besessen habe. Diese Frage ließ er jedoch unbeantwortet und fügte hinzu, dass er keine Ausreden suchen wolle.
Kritik an Schiedsrichterentscheidungen
Der 57-jährige Trainer, der 2018 mit Frankreich den Weltmeistertitel gewann, sprach von „mehr als fragwürdigen“ Entscheidungen in der ersten Halbzeit des Spiels. Ivan Barton hatte in dieser Phase einen Elfmeter für Spanien gegeben, der zur Führung der Spanier führte. Zuvor hatte Michael Olise von Frankreich Glück, dass er nach einem harten Einsteigen gegen Rodri lediglich eine mündliche Verwarnung erhielt. Ein Schiedsrichterexperte bezeichnete diese Szene als potenziell rote Karte.
Trotz seiner Bemerkungen stellte Deschamps klar, dass der Schiedsrichter nicht der Hauptgrund für die Niederlage gewesen sei. Er räumte ein, dass es auch Entscheidungen zugunsten Frankreichs gegeben habe. Ivan Barton hatte vor dem Halbfinale bereits drei Einsätze bei der Weltmeisterschaft und zeigte dabei souveräne bis sehr gute Leistungen. Auch bei der WM 2022 war er dreimal im Einsatz, unter anderem beim deutschen WM-Auftaktspiel gegen Japan.
Ein kurioser Moment ereignete sich im Halbfinale, als Barton vor einem Freistoß für Spanien ein Freistoßspray von einem Assistenten reichen lassen musste, dessen Verbleib zuvor unklar war.
Analyse der französischen Leistung
Deschamps betonte, dass Spanien an diesem Tag auf einem anderen Niveau gespielt habe. Er beschrieb die Leistung seiner Mannschaft als schwach und technisch nicht ausreichend. „Wir waren gezwungen zu verteidigen. Wir konnten ihnen nicht genug Probleme bereiten“, so Deschamps. Die französische Mannschaft sei nicht ins Spiel gekommen und habe viele Fehlpässe gespielt, was ungewöhnlich für sie sei.
Besonders die Offensive um Kylian Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembelé sei gegen Spanien kaum ein Faktor gewesen. Mbappé mühte sich zwar, blieb aber weitgehend isoliert. Olise und Dembelé blieben unauffällig. Auch die Wechsel von Deschamps, die die Spielstatik verändern sollten, verpufften wirkungslos. Nur die Auswechslung von William Saliba in der 30. Minute war verletzungsbedingt.
Die Niederlage gegen Spanien, die das Aus im WM-Halbfinale für Frankreich bedeutete, wird als eine Warnung für die Zukunft gesehen. Die Mannschaft muss lernen, flexibler auf Spielsituationen reagieren zu können. Deschamps wird am Samstag sein letztes Spiel als Trainer der französischen Nationalmannschaft im Spiel um Platz drei bestreiten.
Deschamps‘ Abschied und mögliche Nachfolge
Das Spiel um Platz drei wird das 187. und letzte Spiel für Didier Deschamps als Trainer der französischen Nationalmannschaft sein. Er verlässt den Verband nach einer erfolgreichen Ära, in der er 1998 als Spieler und 2018 als Trainer Weltmeister wurde. Mit dem Halbfinale in Dallas absolvierte er sein 26. WM-Spiel, womit er den früheren Bundestrainer Helmut Schön als Rekordhalter ablöst.
Schon vor dem Turnier war bekannt, dass Deschamps nach der Weltmeisterschaft den Verband verlassen würde. Als möglicher Nachfolger wird Zinedine Zidane gehandelt, der bereits als Trainer von Real Madrid erfolgreich war. Zidane war am Dienstagabend in Arlington auf der Tribüne anwesend und verfolgte die Niederlage der französischen Mannschaft.
Die französische Presse bezeichnete die Niederlage als „Lehrstunde“ und „Missverständnis“. Die Enttäuschung über das verpasste Finale war groß. Die Anhänger verließen die Fanfeste fluchtartig. Die Zeitung „Le Parisien“ schrieb, dass „Les Bleus von der roten spanischen Welle überrollt“ wurden.
Deschamps‘ Amtszeit endet nach dem Spiel um Platz 3 am Samstag.
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Source: n-tv.de