Max Eberl, Sportvorstand des FC Bayern, hat die Pläne der FIFA zur möglichen Privatisierung der Fußball-Weltmeisterschaft und zum Verkauf von Anteilen deutlich kritisiert. Bei der Vorstellung von Neuzugang Nathaniel Brown im Trainingslager am Tegernsee äußerte sich Eberl zu den Berichten über die Absichten von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Er bezeichnete die Entwicklungen als „beschämend“ und äußerte, dass ihn die Situation „anekelt“.
Eberl betonte, dass der Fußball nicht der FIFA gehöre, sondern ein Spiel sei, das der Weltverband begleiten und mit Regeln versehen sollte. Er habe jedoch den Eindruck, dass die FIFA derzeit primär auf Profit aus sei. Diese Haltung teilt er mit anderen Akteuren im europäischen Fußball, die die Pläne als „Angriff auf den Fußball“ sehen.
Kritik und Boykottdrohungen aus Europa
Die Berichte, unter anderem der englischen Zeitung „The Times“, legen nahe, dass Gianni Infantino plant, eine Firma zu gründen, die sowohl die Weltmeisterschaft als auch die Klub-Weltmeisterschaft kontrollieren soll. Nach seiner voraussichtlichen Wiederwahl im kommenden Jahr bis 2031 könnte Infantino an der Spitze dieses Unternehmens stehen. Die FIFA bestätigte die Gründung der Tochtergesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ (FFE), die kommerzielle Aktivitäten und das Veranstaltungsgeschäft bündeln soll. Durch die Zusammenarbeit mit Investoren sollen in diesem Jahr bis zu 4,2 Milliarden Dollar aufgebracht werden, basierend auf einer anfänglichen Eigenkapitalbewertung von 20 Milliarden Dollar.
Laut dem „Times“-Bericht würde die FIFA einen Mehrheitsanteil behalten, während private Investoren zunächst 20 bis 30 Prozent erwerben könnten. Rund 20 Prozent der Anteile sollen den 211 Mitgliedsverbänden der FIFA zugutekommen. Diese Pläne haben in Europa erhebliche Kritik hervorgerufen. Die UEFA hatte bereits vor der offiziellen Bekanntgabe der Pläne auf Basis von Medienberichten mitgeteilt, dass die FIFA eine „rote Linie“ überschreite und die Angelegenheit „äußerst ernst“ nehme.
Max Eberl signalisierte Unterstützung für einen möglichen Europa-Boykott, sollte es zu keiner Einigung kommen. Er sei zwar ein Freund des Dialogs, aber wenn es so weit käme, wäre er dafür, dass Europa „stark Stirn bietet“. Die UEFA hat eine Krisensitzung einberufen, um über die Pläne zu beraten, wobei auch ein möglicher Boykott der Weltmeisterschaft diskutiert werden soll. Die französische Sportministerin Marina Ferrari betonte die Notwendigkeit, dass die europäischen Akteure „mit einer Stimme sprechen“.
Reaktionen von Trainern und Verbänden
Auch auf dem Internationalen Trainer-Kongress in Mainz sorgten die Pläne für Diskussionen. Trainer wie Matthias Sammer, Marie-Louise Eta, Florian Kohfeldt und Sebastian Hoeneß äußerten ihren Ärger. Matthias Sammer warnte davor, dass solche Eingriffe in die Integrität des Spiels die „Grundmauern des Fußballs“ erschüttern würden. Florian Kohfeldt bezeichnete die Pläne als „Vollkatastrophe“ und befürchtete, dass durch die Kommerzialisierung das Spiel selbst in den Hintergrund rückt.
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Investorenplänen zuzustimmen. Eine einfache Mehrheit der Verbände würde ausreichen, um die Pläne umzusetzen. Sollten 106 Verbände zustimmen, könnten ab dem 1. Januar 2027 deutlich höhere Geldbeträge an die einzelnen Verbände fließen, die sich bis 2038 verdreifachen könnten. Die FIFA stellt den Verbänden die Wahl zwischen einem Topf von gut zehn Milliarden US-Dollar oder dem bisher geplanten Topf von 2,7 Milliarden Dollar.
Hans-Joachim Watzke, Vizepräsident der UEFA, teilte die Ansicht, dass die Pläne der FIFA ein „absoluter Angriff auf den Fußball“ seien. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf kritisierte die Vorgehensweise von Infantino und appellierte an die Einheit der europäischen Mitgliedsverbände. Er zeigte sich überzeugt, dass die FIFA keine Investoren finden werde, sollte die UEFA geschlossen gegen den Plan auftreten. Die Kontinentalverbände aus Asien sowie Nord- und Mittelamerika zeigten sich inhaltlich offen, beschwerten sich jedoch darüber, nicht vorab über die Pläne informiert worden zu sein.

Die UEFA verschärfte ihre Kritik und merkte an, dass die Fristsetzung „alles über diesen Plan aussagt, was man wissen muss“. Es zeichne sich ein erheblicher und wachsender Widerstand ab, und die FIFA könne den Sport nicht dazu benutzen, sich selbst und ihre Freunde reicher zu machen. Die Diskussionen um die Zukunft der Fußball-Weltmeisterschaft und die Rolle der FIFA halten somit an.
Source: bild.de