Jonas Vingegaard vermutet Motorradfehler nach Tour de France-Sturz

Jonas Vingegaard vermutet Motorradfehler nach Sturz bei Tour de France - BILD

Nach seinem Ausscheiden bei der diesjährigen Tour de France hat sich Jonas Vingegaard erstmals zu seinem Sturz geäußert und dabei eine neue Theorie über die Ursache des Unfalls ins Spiel gebracht. Der 29-jährige Däne, der sich bei dem Vorfall das Schlüsselbein brach und operiert werden muss, vermutet, dass ein Motorrad möglicherweise eine Rolle gespielt haben könnte.

Vingegaard, der als Hauptrivale von Tadej Pogacar galt, schied am Sonntag nach einem Sturz aus. Für ihn ist die Saison damit beendet. In einem Interview im dänischen Fernsehen sprach er über den Vorfall, bei dem er und drei weitere Fahrer in einem Kreisverkehr die Rechtskurve nicht bewältigen konnten und gegen einen Bordstein prallten.

Diskussion um Sturzursache und Dopingkontrollen

Neben der Möglichkeit, dass sein Teamkollege Victor Campenaerts (34) ihn nicht mehr warnen konnte, äußerte Vingegaard: „Vielleicht hat auch das Motorrad bei uns einen Fehler gemacht. Wir können uns nicht auf Motorräder verlassen. Wir müssen unser eigenes Urteilsvermögen einsetzen, und auch wir haben einen Fehler gemacht. Menschen machen Fehler, und das können wir jetzt nicht mehr ändern.“ Er betonte jedoch auch, dass Stürze im Radsport vorkommen.

Die Diskussion um den Sturz wird zusätzlich durch nächtliche Dopingkontrollen befeuert, die Vingegaard und Pogacar in der Nacht vor der 15. Etappe betrafen. Diese Kontrollen, die zwischen 2 Uhr (Vingegaard) und 5 Uhr (Pogacar) stattfanden, sorgten für Aufregung, da die Fahrer nach einem langen Transport von Le Markstein in den Vogesen nach Champagnole in den Alpen ohnehin eine kurze Nacht hatten.

Die Internationale Testing Agency (ITA) rechtfertigte die nächtlichen Dopingkontrollen. Eine Sprecherin der ITA erklärte gegenüber der ARD, die Tests hätten den Regeln des Radsport-Weltverbandes UCI entsprochen. Demnach sind nächtliche Kontrollen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr erlaubt, allerdings nur bei einem „schwerwiegenden und konkreten Verdacht, dass der Fahrer Doping betreibt“.

Laut ITA gab es in den aktuellen Fällen „Indikatoren dafür, dass bei den betroffenen Fahrern etwas sein könnte“. Die Sprecherin stellte jedoch klar, dass die nächtlichen Tests nicht als Beweis für Verstöße gegen die Anti-Dopingregeln interpretiert werden sollten. Es wurde auch mitgeteilt, dass Pogacar und Vingegaard nicht die einzigen Fahrer waren, die bei dieser Tour de France nachts getestet wurden. Solche Kontrollen seien Teil der aktuellen Teststrategie der ITA und notwendig, da bestimmte Substanzen nur wenige Stunden nachweisbar seien. Mit den Ergebnissen sei frühestens in einer Woche zu rechnen.

Reaktionen der Fahrer auf die Kontrollen

Sowohl Pogacar als auch Vingegaard hatten die Kontrollen am Sonntag vor dem Start der 15. Etappe öffentlich gemacht. Obwohl sie Verständnis für die Notwendigkeit des Kampfes gegen Doping äußerten, kritisierten sie den Zeitpunkt der Tests als nicht ideal, da er den Schlaf als wichtige Regenerationsquelle störe. Pogacar spekulierte, ob der Schlafmangel mit dem Sturz seines Rivalen zusammenhängen könnte, betonte aber, dass dies nicht die Ursache sein müsse.

Der Etappensieger Remco Evenepoel (26), der in der Gesamtwertung den zweiten Platz von Vingegaard übernahm, äußerte sich deutlich kritischer. Er nannte die nächtlichen Tests nach seinem Etappensieg auf dem Plateau de Solaison „unmenschlich und respektlos“ und forderte ein Eingreifen der Fahrergewerkschaft CPA. Auch Vingegaards Teamkollege Matteo Jorgenson sprach von einem „kompletten Mangel an Respekt gegenüber den Fahrern“.

Trotz des Rückschlags blickt Vingegaard optimistisch auf die kommenden Tage im Krankenhaus und den anschließenden Genesungsprozess. Er erklärte, es habe keinen Sinn, den Kopf hängenzulassen, da dies alles nur noch schlimmer mache. Der Kapitän des Teams Visma-Lease a bike wird in den kommenden Tagen operiert.

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Source: bild.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.