Ansah verteidigt Titel, Lückenkemper von Zeckenbiss gebremst
Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid hat Owen Ansah seinen Titel über 100 Meter erfolgreich verteidigt. Der Athlet des Hamburger SV sprintete im ausverkauften Lohrheidestadion in 10,00 Sekunden zur Goldmedaille. Diese Zeit lag nur zwei Hundertstelsekunden über seinem deutschen Rekord von 9,98 Sekunden und eine Hundertstelsekunde über seinem Meisterschaftsrekord von 9,99 Sekunden. Heiko Gussmann aus Wetzlar erreichte in 10,06 Sekunden eine persönliche Bestzeit und sicherte sich den zweiten Platz, gefolgt von Kevin Kranz, ebenfalls aus Wetzlar, mit 10,16 Sekunden.
Ansah äußerte sich nach dem Rennen und betonte, dass seine Gedanken auf der Bahn frei seien und er stolz auf seine Leistung sei. Trotz eines laufenden Verfahrens der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada), das eine verweigerte Dopingprobe betrifft, war Ansah weiterhin startberechtigt. Er erklärte, dass er sich auf dem Weg zu einem Diamond-League-Meeting in Monaco befunden habe, als der Kontrolleur außerhalb des angegebenen Proben-Zeitfensters klingelte.
Im 100-Meter-Finale der Frauen setzte sich Jolina Ernst von TV Wattenscheid 01 mit einer Bestzeit von 11,26 Sekunden durch und gewann ihren ersten DM-Titel. Die amtierende Europameisterin Gina Lückenkemper (SCC Berlin) wurde in 11,29 Sekunden Dritte. Sie berichtete, dass ein Zeckenbiss in den Hinterkopf sie in den Wochen vor dem Wettkampf beeinträchtigt habe. Emma Goretzka (LAC Berlin) erreichte ebenfalls 11,26 Sekunden und belegte den zweiten Platz, nur wenige Tausendstelsekunden hinter Ernst.
Weitere Höhepunkte und Dramen der Meisterschaften
Die Hürdensprinterin Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen) sorgte über 100 Meter Hürden für eine Überraschung. Sie gewann in 12,69 Sekunden, stellte damit eine persönliche Bestzeit auf und egalisierte den Meisterschaftsrekord aus dem Jahr 2018. Rosina Schneider (TV Sulz), die als Jahresschnellste angereist war, wurde Zweite in 12,81 Sekunden, gefolgt von Lia Flotow (1. LAV Rostock) mit 12,83 Sekunden.
Im Weitsprung der Männer zeigte Simon Batz (MTG Mannheim) eine starke Leistung. Er verbesserte seinen Hausrekord im fünften Versuch auf 8,29 Meter. Dies war die weiteste DM-Weite seit 2009, als sein Trainer Sebastian Bayer 8,49 Meter sprang. Kevin Brucha (TLV Germania Überruhr) erreichte mit 8,04 Metern erstmals die 8-Meter-Marke und sicherte sich Silber, während Simon Plitzko (TSG Bergedorf) mit 8,00 Metern Dritter wurde.
Im Hochsprung der Männer gewann Tobias Potye (Munich Athletics) seinen sechsten Freiluft-Titel in Folge, obwohl er den Wettkampf nach einem Unfall abbrechen musste. Beim Versuch über 2,19 Meter prallte er mit dem Kopf gegen einen Ständer und zog sich eine blutende Wunde zu. Er beendete den Wettkampf mit übersprungenen 2,15 Metern. Falk Wendrich (LAZ Soest) patzte ebenfalls bei 2,19 Metern und hatte mehr Fehlversuche.
Julian Weber (USC Mainz) sicherte sich seinen sechsten deutschen Meistertitel im Speerwurf in Folge mit einer Weite von 82,60 Metern. Er absolvierte dabei nur vier Versuche. Nick Thumm (VfB Stuttgart) wurde Zweiter mit 81,45 Metern, und Max Dehning (LG Offenburg) belegte mit einer Saisonbestleistung von 79,33 Metern den dritten Platz. Der deutsche Rekordhalter Johannes Vetter war aufgrund körperlicher Probleme nicht am Start, und Thomas Röhler belegte den vierten Platz mit 79,12 Metern.
Im Diskuswurf der Frauen gewann Shanice Craft (SV Halle) mit einer Saisonbestleistung von 66,18 Metern ihren dritten DM-Titel. Die Titelverteidigerin Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen) musste den Wettkampf nach zwei Versuchen aufgrund von Adduktorenproblemen beenden. Kristin Pudenz (OSC Potsdam) holte Silber mit 64,00 Metern, gefolgt von Leia Braunagel (Eintracht Frankfurt) mit 63,15 Metern.
Über 3.000 Meter Hindernis stürzte Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898), rappelte sich aber wieder auf und gewann souverän in 8:21,01 Minuten. Niklas Buchholz (Franconia Athletics) wurde Zweiter in 8:22,29 Minuten. Im 5.000-Meter-Rennen der Männer gewann Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) in 14:08,15 Minuten vor Florian Bremm (Franconia Athletics) mit 14:09,03 Minuten. Vanessa Mikitenko (Silvesterlauf Trier) sicherte sich im 5.000-Meter-Rennen der Frauen ihren ersten nationalen Titel in 15:29,46 Minuten.
Im Dreisprung der Frauen überzeugte Kira Wittmann (Hannover 96) mit zwei Sprüngen über ihre persönliche Bestleistung, darunter 14,14 Meter im vierten Versuch und 14,10 Meter im letzten Versuch, und feierte ihren zweiten Freiluft-DM-Titel.
Die DM dient als letzter Härtetest vor den Europameisterschaften in Birmingham, die vom 10. bis 16. August stattfinden.
Source: sportschau.de