Evenepoel zeigt neue Dimension im Hochgebirge
Remco Evenepoel, der belgische Radsportler, hat auf der vorletzten Etappe der Tour de France in Alpe d’Huez seinen zweiten Gesamtrang gefestigt. Dies gelang ihm auf einer der anspruchsvollsten Bergetappen, die über den Col du Galibier führte, den höchsten Punkt dieser Tour mit 2642 Metern. Evenepoel widerlegte damit Kritiker, die ihm Schwächen im Hochgebirge nachsagten.
Der Olympiasieger zeigte sich auf den drei Alpenetappen in einer starken Verfassung und wirkte frischer als viele seiner Konkurrenten. Er konnte in der Favoritengruppe mithalten und hatte am Ende der extrem schweren Etappe noch Reserven, um die Verfolgung der Ausreißer aufzunehmen. Sein Sportlicher Leiter Klaas Lodewyck hob hervor, dass Evenepoel die gesamte Tour über sehr konstant war und sich gut mit einer Grand Tour arrangiert.
Evenepoel selbst äußerte sich nach der Etappe zu den Zweifeln an seinen Fähigkeiten: „Ich habe einmal mehr bewiesen, dass die ganzen Kommentare und Kritiken nicht richtig waren. Ich war Dritter vor zwei Jahren, bin dieses Jahr Zweiter und habe außerdem auch schon die Spanien-Rundfahrt gewonnen – das ist nicht so schlecht für jemand, der kein Fahrer für große Rundfahrten ist.“ Sein Teamchef Ralph Denk zeigte sich „extrem stolz“ auf Evenepoel und betonte, dass dieser einen wichtigen Schritt in seiner Karriere gemacht habe.
Auf der 20. Etappe, die über mehr als 5600 Höhenmeter führte, wurde Evenepoel mit 26 Sekunden Rückstand Zweiter. Er hatte bereits zwei Etappen in diesem Jahr gewonnen. Vor der Schlussetappe liegt er 6:26 Minuten hinter dem Gesamtführenden Tadej Pogacar.
Seixas überzeugt bei Tour-Debüt, Carapaz holt Bergtrikot
Der junge französische Fahrer Paul Seixas, der jüngste Teilnehmer der Tour seit 1937, zeigte bei seinem Debüt in einer dreiwöchigen Rundfahrt eine beeindruckende Leistung. Trotz anfänglicher Skepsis bewies der Teenager, dass er den Belastungen des Rennens standhalten kann. Erst am allerletzten Berg der Tour begann der 19-Jährige zu schwächeln.
Seixas, der für das Team Décathlon fährt, wollte nicht nur seinen vierten Platz absichern, sondern kämpfte bis zuletzt um einen Podiumsplatz. Er verlor 1:50 Minuten auf das Duo Pogacar und Isaac del Toro, wodurch sein Abstand im Gesamtklassement auf 2:14 Minuten anwuchs. Seixas zeigte sich enttäuscht, nicht um das Podium gekämpft zu haben, aber auch stolz auf seine Leistung.
Der Ecuadorianer Richard Carapaz sicherte sich auf der Königsetappe das Bergtrikot. Er siegte auf der 20. Etappe, die über den legendären Col du Galibier zum ebenfalls legendären Alpe d’Huez führte. Carapaz war Teil einer Ausreißergruppe und konnte seine Führung ins Ziel bringen. Er kämpfte auf dieser Tour sehr hart und war auf jeder der drei Alpenetappen in der Spitzengruppe, unterstützt von seinem EF-Team.

Carapaz betonte, dass er es verdient habe, und zeigte sich stolz auf die zwei Etappensiege und das Bergtrikot. Er gilt als Fahrer der „alten Schule“, der mit Kampfgeist, Erfahrung und Sturheit Erfolge einfährt. Sein Triumph in Alpe d’Huez ist ein weiterer Sieg in seiner Karriere.
Verkürzte Schlussetappe nach Paris
Die letzte Etappe der Tour de France am Sonntag nach Paris wird aufgrund schwerer Waldbrände um 44 Kilometer verkürzt. Das französische Innenministerium hat entschieden, einen Teil der ursprünglich für die Absicherung der Schlussetappe eingeplanten Sicherheitskräfte abzuziehen. Diese Einheiten sollen stattdessen die Einsatzkräfte in den von den Bränden betroffenen Regionen unterstützen.
Die Lage ist besonders schwer in der Gironde nahe Bordeaux. Die Strecke der 21. Tour-Etappe wird somit von ursprünglich geplanten 133 km auf 89 km verkürzt. Die Positionen im Gesamtklassement sind vor dieser Schlussetappe weitgehend festgelegt, da die Topstars im Kampf um das Gelbe Trikot auf der letzten Etappe in Paris üblicherweise keine Angriffe mehr starten.
Das Team Red-Bull-Bora-Hansgrohe aus Raubling feiert mit Evenepoels zweitem Gesamtrang die bisher beste Einzelplatzierung bei der Tour de France. Tadej Pogacar liegt vor der Schlussetappe 6:26 Minuten vor Evenepoel, und sein Teamkollege Isaac del Toro aus Mexiko ist Dritter mit 9:42 Minuten Rückstand.
Evenepoel strebt am Sonntag auf dem Kurs der Schlussetappe in Paris seinen dritten Etappensieg bei der 113. Tour an.
Source: eurosport.de