Hannover feiert Rekord-Finals und erwägt erneute Bewerbung

480.000 Zuschauer vor Ort: Hannover feiert Rekord-Finals und will sich wieder bewerben - sportschau.de

Die Finals 2026 in Hannover, die 143 Entscheidungen umfassten, wurden von Veranstaltern und Sportlern als großer Erfolg gewertet. Insgesamt zählten die Organisatoren rund 480.000 Zuschauer vor Ort, was das Interesse der Veranstalter deutlich übertraf. Mehr als die Hälfte dieser Besucher reiste nicht aus Hannover an. Die Arenen mussten täglich wegen Überfüllung geschlossen werden, was von Finals-Geschäftsführer Hagen Boßdorf als „wunderbares Problem“ bezeichnet wurde.

Das Herzstück der Veranstaltung befand sich am Opernplatz, wo neben der Beachvolleyball-Arena mit ihren 1.100 Plätzen auch die Stabhochsprunganlage und Kletterwände aufgebaut waren. Zeitweise verfolgten dort 8.000 bis 9.000 Menschen die Wettkämpfe, auch über große Videowände. Boßdorf sprach von „Rekordwerten“ und zeigte sich erfreut, dass das Interesse getroffen wurde und die Menschen eine gute Zeit hatten.

Die Stimmung unter den Wartenden blieb gut, da die Veranstalter über soziale Medien und eine App stets informierten, wenn Wettkampfstätten nicht zugänglich waren. Laut Informationen vom Sonntagnachmittag musste der Sicherheitsdienst während der gesamten Finals kein einziges Mal eingreifen. Von 120 Anfragen beim Sanitätsdienst führten nur drei zu Rettungswagen-Einsätzen, wovon einer einen verletzten Flag-Football-Spieler betraf.

Hannover als Sportstadt

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay zeigte sich begeistert von den „tollen Finals“ und sprach von einem „großen Sommermärchen“. Er betonte, dass die Spiele Hannover wieder auf die Sport-Landkarte gebracht hätten und die Stadt solche Sportveranstaltungen ausrichten könne. Onay erwähnte, dass im nächsten Jahr Spiele der Handball-WM und 2028 die Frauenfußball-EM in Hannover stattfinden werden, was die Stadt als Veranstaltungsort unterstreiche. Er bedankte sich bei den Athleten, die die Stadt verzaubert hätten, und hob das Bogenschießen hervor, bei dem so gejubelt wurde wie sonst nur bei einem Tor von 96.

Eine Umfrage ergab, dass 75 Prozent der Hannoveraner Stolz empfinden, dass ihre Stadt die Finals ausgerichtet hat. Onay kündigte an, dass die Stadt eine erneute Bewerbung für die Finals 2030 oder 2031 in Betracht zieht. Die Kosten für die Stadt beliefen sich auf 1,5 Millionen Euro, während die Gesamtkosten bei rund 10 Millionen Euro lagen. Onay bezeichnete dies angesichts des Werbewerts durch stundenlange Live-Übertragungen als „echtes Schnäppchen“. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens soll laut Onay „hellauf begeistert“ gewesen sein.

Unter den Zuschauern war auch DOSB-Präsident Thomas Weikert, der die Finals als „super“ lobte und sie mit „ein bisschen Olympische und Paralympische Spiele“ verglich. Er betonte die Bedeutung solcher Großveranstaltungen für Deutschland und hob hervor, dass Deutschland nicht nur sehr gut organisieren könne, sondern auch immer viele Zuschauer anziehe.

Neue Formate und Sportlerbegeisterung

Die Finals boten eine Rekordzahl von 24 Sportarten und präsentierten neue Formate, die sowohl Athleten als auch Fans begeisterten. Dazu gehörten Olympiasieger wie der Schwimmer Lukas Märtens, die Triathletin Laura Lindemann und die Rhythmische Sportgymnastin Darja Varfolomeev, die alle Siege feierten. Auch Welt- und Europameister waren vertreten.

Ein Beispiel für ein neues Format war der Beachvolleyball im Vier-gegen-Vier-Modus. Die Spieler, darunter Lukas Pfretzschner, Paul Henning, Niklas Held und Luis Kubo, genossen das „ungewohnte Chaos“ auf dem Spielfeld. Kubo beschrieb es als „so geil“ nach einem 21:15-Sieg im Golden Set, und Held fügte hinzu: „Das ist ein derbes Format. Das können wir gern häufiger machen.“ Auch Pfretzschner, der Beachvolleyballer des Jahres 2025, betonte, es sei eine „sehr schöne Abwechslung“ gewesen und habe „unglaublich viel Spaß gemacht“.

Beim Rudern und Kanu sorgten verkürzte Strecken auf dem Maschsee für Sport zum Anfassen. Die Achter rauschten wenige Meter an den Zuschauern vorbei, die teilweise in Liegestühlen am Ufer saßen. Die Kanutin Frauke Hundeling hielt nach dem Wettkampf ein Plakat hoch, um Hannover zu danken. Ihre Mitstreiterin Paulina Paszek, ebenfalls aus Hannover, sagte, sie habe in 18 Jahren als Kanutin noch nie eine so tolle Stimmung erlebt und Gänsehaut gehabt.

Die neuen Schwimmwettbewerbe, insbesondere die Sprint-Eliminationsrennen, waren gewöhnungsbedürftig, begeisterten aber die Zuschauer. Finalssiegerin Lise Seidel berichtete lachend von „ganz schweren Beinen“ nach dreimal 50 Meter Rücken innerhalb kürzester Zeit. Schwieriger zu verfolgen waren die Lagenmeisterschaften über 100 und 200 Meter sowie 400 und 800 Meter, bei denen die Zeiten der Schwimmerinnen und Schwimmer in Punkte umgerechnet und addiert wurden.

Der 35-jährige Andreas Toba aus Hannover gewann seine zweite Medaille bei den Finals, eine Bronzemedaille am Reck, nachdem er bereits Bronze im Mehrkampf geholt hatte. Toba, der seine internationale Karriere im letzten Jahr beendet hat und nun als Nachwuchstrainer arbeitet, wollte sich die Deutschen Meisterschaften in seiner Heimatstadt nicht entgehen lassen. Er sagte nach dem Wettkampf: „Ich habe für mich alles erreicht, was ich erreichen konnte.“ Auch Marcel Graf aus Rinteln holte Gold im Sprung, und Glen Trebing aus Hannover gewann Bronze am Barren.

Andreas Toba gewann bei den Finals in Hannover die Bronzemedaille am Reck.
Andreas Toba gewann bei den Finals in Hannover die Bronzemedaille am Reck. Credit: ndr.de

Gewichtheben feierte in diesem Jahr seine Finals-Premiere, wobei die neun stärksten Teams der „German Weightlifting Bundesliga“ im Mannschaftswettbewerb antraten. Die Disziplinen Reißen und Stoßen wurden am Ende zusammengerechnet. Der Wettbewerb konnte dank vieler ehrenamtlicher Helfer stattfinden, die die Wettkampfbühne bis drei Uhr in der Nacht aufbauten.

Beliebte Sportarten waren auch Breaking, Rapid Surfen und Speedklettern. Das Neue Rathaus war wegen des Andrangs beim Breaking komplett ausgelastet, und auch die Leinewelle beim Rapid Surfen war überfüllt. Der Wettbewerb im Speedklettern musste aufgrund von Regen am Opernplatz unterbrochen werden, konnte aber später fortgesetzt werden.

Kurz vor den Turnwettkämpfen gab es eine Gedenkminute für die Opfer eines Vorfalls beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin. Das Publikum stand kollektiv auf und klatschte, um der Opfer zu gedenken. Ein Fahrzeug war bei den Feierlichkeiten in Berlin in eine Menschenmenge gefahren, wobei mindestens eine Frau starb und weitere Personen verletzt wurden.

Der DOSB hatte am Freitag in Hannover seine Präsidiumssitzung abgehalten und die Wettkampfstätten besichtigt. Mareike Miller, Gesamt-Athletensprecherin des Deutschen Behinderten-Sportverbandes und Mitglied des DOSB-Präsidiums, äußerte den Wunsch nach mehr Para-Sportarten bei zukünftigen Veranstaltungen.

Die Finals 2026 in Hannover haben mit ihrer hohen Zuschauerzahl und der Begeisterung für neue Sportformate einen bleibenden Eindruck hinterlassen und könnten die Stadt zu einem wiederkehrenden Austragungsort für zukünftige Multisport-Events machen.

Source: sportschau.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.