Klopps Vision für die Nationalmannschaft
Jürgen Klopp wird das Gesicht der deutschen Nationalmannschaft neu gestalten, wobei er sein Spielsystem über individuelle Spielernamen stellen möchte. Diesen Ansatz verfolgte er bereits erfolgreich bei seinen vorherigen Stationen, dem BVB und dem FC Liverpool. Klopp hat noch 60 Tage bis zu seinem ersten Spiel als Bundestrainer, welches am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande stattfindet. Nach dem Ausscheiden im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft soll die Nationalelf unter seiner Führung ein neues Erscheinungsbild erhalten.
Der 59-Jährige hat angekündigt, grundlegende Veränderungen vorzunehmen. Er hat eine Liste mit 57 Feldspielern erstellt, die sein Interesse geweckt haben. Klopp betonte, dass viele gute Spieler bei der letzten WM dabei waren, die jedoch nicht gut gespielt haben. Er sieht Verbesserungsbedarf und fordert von jedem Spieler, der für Deutschland spielberechtigt ist, vollen Einsatz, da er genau hinschauen werde.
Kaderumbau und taktische Prioritäten
Klopp wird voraussichtlich jungen Spielern Chancen geben, die möglicherweise nicht damit rechnen. Im Gegenzug bedeutet dies, dass er auf einige Spieler verzichten könnte, die in den vergangenen Jahren zum Kreis der Nationalmannschaft gehörten. Seine frühere Karriere zeigt, dass er keine Scheu vor großen Namen hat, wenn es um die Umsetzung seiner taktischen Vorstellungen geht.
Ein Beispiel dafür ist seine Zeit beim BVB im Jahr 2008, als er den damaligen Topstürmer Alexander Frei oft auf die Bank setzte. Klopp setzte auf aggressives Pressing, das laufstarke Spieler erforderte, auch in der vordersten Sturmreihe. Frei, der in den beiden vorherigen Spielzeiten 22 Tore in 45 Partien erzielt hatte, verließ den BVB nach dieser Saison und wechselte zum FC Basel.
Auch beim FC Liverpool, den er im Herbst 2015 übernahm, nachdem sich der Verein von Brendan Rodgers getrennt hatte, zeigte Klopp seine Entschlossenheit. In seiner ersten Transferperiode verließen 19 Spieler den Klub oder wurden ausgeliehen, darunter bekannte Namen wie Mario Balotelli, Christian Benteke oder Luis Alberto. Dieser Kaderumbau führte später zum Champions-League-Triumph 2019 und der englischen Meisterschaft ein Jahr später.

Eine der ersten Prioritäten für Klopp im DFB-Team ist die Suche nach einem neuen Rechtsverteidiger. Bei der letzten Weltmeisterschaft hatte Joshua Kimmich diese Position inne, doch Klopp sieht den Kapitän wohl eher im Mittelfeld. Laut Berichten richtet Klopp seinen Blick auf die U-Nationalmannschaften, wobei Linus Gechter von Hertha BSC, der unter U21-Coach Antonio Di Salvo spielte, eine Option sein könnte.
Eine weitere Möglichkeit ist Nnamdi Collins von Eintracht Frankfurt, der im letzten September unter Nagelsmann eine Chance erhielt, aber beim 0:2 in der Slowakei zur Halbzeit ausgewechselt wurde. Eine erfahrenere Lösung könnte Josha Vagnoman vom VfB Stuttgart sein. Der 25-Jährige hat bisher zwei Länderspiele bestritten und spielt mit Stuttgart in der kommenden Saison in der Champions League.
Klopps Vorgänger Nagelsmann hatte bei der letzten Fußball-WM auf einen gelernten Rechtsverteidiger verzichtet, was zu Diskussionen über die Rolle von Kimmich führte. Lothar Matthäus, Rekord-Nationalspieler, schrieb in seiner Kolumne, dass Kimmich weiterhin ein Fixpunkt und Kapitän sei, aber die Mannschaft Positionen wie den Rechtsverteidiger und einen echten Neuner benötige, die bei der WM fehlten. Genau diese Bereiche will Klopp im DFB-Team angehen.

Source: welt.de