Tamara Korpatsch hat bei den Hamburg Ladies Open ihren ersten Titel bei ihrem Heimspiel gewonnen. Die 31-jährige Hamburgerin setzte sich im Finale des WTA-250-Turniers gegen Anna Bondar aus Ungarn mit 6:3, 6:3 durch. Dieser Sieg markiert den ersten deutschen Erfolg bei dem Damenturnier am Rothenbaum seit Steffi Grafs Triumph im Jahr 1992, also 34 Jahre später.
Für ihren Erfolg erhielt Korpatsch ein Preisgeld von 32.520 Euro und wird in der neuen Weltrangliste einen Sprung um 35 Plätze auf Rang 46 machen, was ihren Karrierebestwert darstellt. Damit wird sie erstmals in ihrer Karriere unter den Top 50 geführt und ist ab Montag auch wieder die deutsche Nummer eins.
Ein Traum wird wahr in der Heimatstadt
Korpatsch beschrieb sich nach dem Match als „super happy“ und gab zu, vor dem Finale sehr nervös gewesen zu sein. Sie konnte am Samstag kaum einschlafen, schaffte es aber, ihre Gedanken auf dem Platz beiseitezuschieben und locker aufzuspielen. Die Lokalmatadorin vom Club an der Alster startete stark und führte im ersten Satz schnell mit 4:1 gegen Bondar.
Im zweiten Satz gelang ihr im fünften Spiel das entscheidende Break. Beim Matchball habe sie „etwas gezittert und realisiert: Oh, nein! Ich kann das hier gewinnen…“, so Korpatsch. Nach 1:27 Stunden Spielzeit war der Sieg perfekt. Dieser Erfolg ist besonders bedeutsam für Korpatsch, da sie nie als Supertalent galt und keine Förderung vom Deutschen Tennis-Bund (DTB) erhielt. In ihren Anfangsjahren reiste sie mit ihrem Vater von Turnier zu Turnier und übernachtete zur Kostenersparnis sogar im Auto. Während der Corona-Zeit trainierten sie auf einem Möbelhaus-Parkplatz.

Turnierdirektorin Sandra Reichel freute sich über den Sieg der Hamburgerin und bezeichnete ihn als „Märchen“. Auch Turnierbotschafterin Andrea Petković betonte, dass Korpatsch immer „ein bisschen im Schatten stand“ und der jetzige Erfolg „fast zu schön, um wahr zu sein“ sei. Korpatsch selbst erinnerte sich daran, wie sie als Kind mit der Hamburg-Fahne auf den Center Court einlief und oft gefragt wurde, ob sie die nächste Steffi Graf werden würde. Sie empfindet es als Ehre, die nächste Deutsche nach Graf zu sein, die in Hamburg gewonnen hat, und bezeichnet den Titel als „sehr besonders“, da es ihre Heimatstadt und ihr Heimatklub sind.
Herausforderungen und Ausblick
Zwei Jahre zuvor, nach ihrem ersten WTA-Titel 2023 in Cluj-Napoka/Rumänien, war Korpatsch aufgrund von Krankheiten und Verletzungen bis auf Platz 185 der Welt abgestürzt. Sie beschrieb diese Zeit als „ziemlich schwer“, betonte aber, dass sie es mit ihrer Familie geschafft habe, sich wieder hochzukämpfen. Sie sei stolz darauf, dass sie es als einzige Tennisspielerin nur mit ihrer Familie bis zu diesem Punkt geschafft habe, und sprach von einem „harten, sehr, sehr langen Weg“.
Die Hamburg Ladies Open, die 2021 nach 19 Jahren Pause von Sandra Reichel und ihrem Vater Peter-Michael für Frauen zurückgeholt wurden, sind laut Reichel „mehr als ein Tennis-Turnier“. Sie hob die Premiere des ITF-Rollstuhltennis-Turniers und zahlreiche Inklusions-Events hervor. DTB-Präsident Dietloff von Arnim betonte die Bedeutung des Turniers als Bühne für deutsche Talente, wobei insgesamt acht Spielerinnen das Hauptfeld erreichten.
Trotz des Erfolgs gab es unter der Woche meist leere Ränge auf der Anlage. Insgesamt kamen rund 20.000 Fans an den Rothenbaum, inklusive des Final-Sonntags. Der Vertrag mit Titelsponsor „MSC“ läuft nach zwei Jahren aus, aber Reichel ist zuversichtlich, dass es im Herbst Gespräche mit MSC und der Stadt Hamburg geben wird. Der Termin für 2027 steht noch nicht fest; Reichel würde das Turnier gerne eine Woche vorrücken, direkt nach dem Rasen-Klassiker in Wimbledon. Die Entscheidung der WTA wird voraussichtlich rund um die US Open (23.8. – 13.9.) erwartet.
Im gesamten Turnier zeigte sich Korpatsch souverän, mit Ausnahme des Viertelfinales gegen die Ukrainerin Anhelina Kalinina, das sie mit 6:3, 1:6, 6:1 gewann. Im Halbfinale gab ihre Gegnerin Mayar Sherif aus Ägypten beim Stand von 6:1, 2:0 für Korpatsch auf. Vor dem Finale fand ein Showmatch zwischen Turnierbotschafterin Andrea Petkovic und der ehemaligen Weltranglisten-Ersten Martina Hingis statt, das Hingis in drei verkürzten Sätzen für sich entschied.
Korpatsch wird bereits am Dienstag nach Nordamerika weiterreisen, um am ersten Hartplatz-Turnier in Toronto teilzunehmen. Eine große Feier ist vorerst nicht geplant; stattdessen wird es ein gemeinsames Essen geben.
Source: bild.de