Ermittlungen wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung
Im Zusammenhang mit der Fußball-EM 2024 haben Ermittler bundesweit zahlreiche Stadtverwaltungen sowie die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main durchsucht. Dies bestätigten eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA) NRW und ein Sprecher des Deutschen Fußball-Bunds. Die Staatsanwaltschaft Bochum und das LKA NRW ermitteln wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung.
Mitarbeiter von Stadtverwaltungen sollen demnach Tausende EM-Tickets zu Vorzugspreisen erhalten haben. Diese Tickets seien von einigen Städten genutzt und unterschiedlich verwendet worden. Auch exklusive Vorkaufsrechte für Eintrittskarten sollen den Gastgeberstädten angeboten und teilweise in Anspruch genommen worden sein.
Fokus auf Euro 2024 GmbH und Einzelpersonen
Die Ermittlungen konzentrieren sich auch auf eine mögliche strukturierte Vorteilsgewährung durch die Euro 2024 GmbH. Diese Gesellschaft wurde zur Ausrichtung des Turniers als Tochtergesellschaft der UEFA Events SA und der DFB EURO GmbH gegründet. Die Euro 2024 GmbH soll mehrere Tausend Eintrittskarten zur internen Verwendung an die zehn Austragungsstädte vergeben haben. Ob und in welchem Umfang diese Karten und Einladungen zu Spielen angenommen wurden, ist ebenfalls Gegenstand des Verfahrens.

Ein 66-jähriger Deutscher aus Gelsenkirchen und ein 46-jähriger Franzose stehen im Fokus der Ermittlungen. Der 66-Jährige, ein ehemaliger Beschäftigter der Stadt Gelsenkirchen, soll zum EM-Halbfinale Spanien gegen Frankreich nach München eingeladen worden sein. Dadurch soll er im Rahmen seiner Amtsausübung einen finanziellen Vorteil von rund 2.400 Euro erlangt haben. Er ist nicht mehr für die Stadt Gelsenkirchen tätig und war bereits wegen Betrugsverdachts sowie des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt polizeilich in Erscheinung getreten.
Es wird davon ausgegangen, dass vergleichbare Einladungen auch an EM-Projektleitungen weiterer Gastgeberstädte ausgesprochen wurden. Die Maßnahmen der Ermittler dauern noch an, und die Beschuldigten hatten bislang keine Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Hintergrund der Organisation der EM 2024
Die Männer-EM wurde im Juni und Juli 2024 in Deutschland ausgetragen und umfasste zehn Spielorte. Die Euro 2024 GmbH, die das Turnier organisierte, war ein Joint Venture des DFB mit der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Die Gesellschaft hatte ihren Sitz in den früheren DFB-Räumlichkeiten in Frankfurt am Main und gehörte mehrheitlich der Uefa an. Neben Verantwortlichen der GmbH sind auch die Ausrichterstädte von den Ermittlungen betroffen.
Die Ermittlungen wurden eingeleitet, weil der Verdacht besteht, dass ein damaliger Mitarbeiter einer Gastgeberstadt ohne Genehmigung ein Ticket für ein Spiel angenommen haben soll. Dieses Ticket soll er von Verantwortlichen der ausrichtenden Gesellschaft erhalten haben.
Read Also
Source: tagesschau.de