Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat den Vertrag mit Bundestrainer Julian Nagelsmann aufgelöst. Diese Entscheidung wurde nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft getroffen. Nagelsmann hatte zuvor selbst um die Vertragsauflösung gebeten, und der DFB kam diesem Wunsch nach. Gleichzeitig bestätigte der Verband, dass er Gespräche mit Jürgen Klopp über die Neubesetzung des Traineramtes aufnehmen wird. Klopp hat demnach bereits seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, den Posten zu übernehmen.
Julian Nagelsmann äußerte sich zu seiner Entscheidung: „Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht.“ Er betonte, dass ihm die Entscheidung „alles andere als leichtgefallen“ sei. Nagelsmann entschuldigte sich zudem bei den Fans für das Abschneiden der Mannschaft und dankte ihnen für ihre Unterstützung.
Klopp als Topkandidat für die Nachfolge
Jürgen Klopp, der ehemalige Trainer von Liverpool und Dortmund, ist derzeit als Experte für Magenta TV während der Weltmeisterschaft tätig. Er hatte sich zunächst zurückhaltend geäußert, als er nach einer möglichen Verfügbarkeit für das Bundestraineramt gefragt wurde, sagte aber später, dass er die Bereitschaft signalisiert habe. Klopp hatte zu Beginn des Turniers als Experte eine Aussage zur deutschen Startelf gemacht, die als Einmischung in eine mögliche Nachfolgerdebatte interpretiert wurde, wofür er sich später entschuldigte. Berichten zufolge dürfte eine Verpflichtung von Klopp für den DFB kostspielig werden, da er derzeit als Head of Global Soccer für den Fußballkonzern von Red Bull arbeitet.
Die vorzeitige Vertragsauflösung mit Nagelsmann soll dem DFB Berichten zufolge bis zu sieben Millionen Euro kosten. Das Jahresgehalt von Klopp könnte sich in einem ähnlichen oder sogar höheren Bereich bewegen, zusätzlich zu einer möglichen Ablösesumme an Red Bull. Sportdirektor Rudi Völler dankte Nagelsmann für dessen Entscheidung und betonte, dass dieser Verantwortung übernehme und die Nationalmannschaft über seine eigene Person stelle. Auch Nagelsmanns Assistenten, Benjamin Glück und Benjamin Hübner, werden den DFB verlassen.
Eine Umfrage unter 1001 Leserinnen und Lesern ergab, dass 63 Prozent der Befragten für Klopp als Nachfolger sind. Als Alternativen wurden unter anderem Christian Streich (19 Prozent), Joachim Löw und Lothar Matthäus (beide elf Prozent), Sebastian Hoeneß (neun Prozent) und Pep Guardiola (acht Prozent) genannt. Die Umfrage zeigte auch, dass 49 Prozent der Befragten die Schuld am WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay bei den Spielern, dem Trainer und der DFB-Führung sehen, wobei die Spieler mit 21 Prozent den höchsten Anteil erhielten.
Weitere Personalentscheidungen und Kritik
Neben der Trainerfrage gab es eine weitere Personalentscheidung im DFB: Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig wird seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern. Er hatte DFB-Präsident Bernd Neuendorf bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft über diesen Schritt informiert. Bernd Neuendorf dankte Julian Nagelsmann für dessen „hohe Einsatzbereitschaft“ und „außerordentlichen Ehrgeiz“ während seiner Amtszeit.
Die deutsche Mannschaft war im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft im Elfmeterschießen an Paraguay gescheitert. Unmittelbar nach dem Ausscheiden hatte Nagelsmann einen Rücktritt noch ausgeschlossen und im ZDF gesagt: „Ich bin keiner, der wegläuft.“ Der mediale Druck auf Nagelsmann hatte in den Tagen nach dem Ausscheiden erheblich zugenommen, und viele Experten, darunter ehemalige Nationalspieler wie Mats Hummels, hatten einen Neustart auf der Trainerposition gefordert. Bei einem Treffen in Frankfurt soll die DFB-Spitze Nagelsmann den Schritt nahegelegt haben. Die Entscheidung von Andreas Rettig, seinen Vertrag nicht zu verlängern, wurde ebenfalls in der DFB-Mitteilung bekannt gegeben. Er hatte den DFB-Präsidenten bereits vor der WM darüber informiert.
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Source: zeit.de