Carapaz siegt nach Drama
Richard Carapaz hat einen Tag vor dem Finale in Paris die Königsetappe der Tour de France gewonnen. Der Ecuadorianer feierte seinen zweiten Etappensieg bei der diesjährigen Tour. Das Rennen war von einem Sturz von Sepp Kuss geprägt, der in Führung liegend verunglückte.
Auf den letzten Kilometern der 20. Etappe ereignete sich ein Drama. Kuss hatte die letzte Bergwertung 14,3 Kilometer vor dem Ziel als Erster passiert. Mit einem geringen Vorsprung fuhr er durch Alpe d’Huez, strauchelte im Tunnel der Skistation und landete kurz darauf in einem Fangzaun. Dieser Zaun verhinderte einen tieferen Sturz des Amerikaners. Carapaz zog an Kuss vorbei und sicherte sich den Etappensieg.
Auch Remco Evenepoel überholte Kuss auf der Zielgeraden und erreichte das Ziel als Zweiter mit 26 Sekunden Rückstand. Kuss belegte den dritten Platz. Evenepoel zeigte erneut eine starke Leistung im Hochgebirge und bestätigte sich als zweitbester Fahrer der Tour.
Pogacar unterstützt del Toro
Tadej Pogacar, der Mann im Gelben Trikot, stellte sich auf der Königsetappe voll in den Dienst seines UAE-Teamkollegen Isaac del Toro. Über die letzten 50 Kilometer bestimmte Pogacar das Tempo in der Spitzengruppe, um del Toro schnellstmöglich ins Ziel zu bringen und dessen dritten Platz in der Gesamtwertung zu sichern. Er folgte auch nicht der späten Attacke von Evenepoel, sondern blieb beim Mexikaner. Das Duo überquerte die Ziellinie gemeinsam als Vierter und Fünfter mit 1:05 Minuten Rückstand.
In der Gesamtwertung führt Pogacar mit einem Vorsprung von 6:26 Minuten vor dem zweitplatzierten Evenepoel vom deutschen Red Bull-Team. Pogacars Teamkollege del Toro aus Mexiko liegt 9:42 Minuten hinter dem Führenden auf Rang drei. Der 19-jährige Paul Seixas behielt im Gesamtklassement den fünften Platz, obwohl er am letzten Anstieg den Kontakt zur Favoritengruppe verlor.
Die 20. Etappe führte über 171 Kilometer von Le Bourg d’Oisons nach Alpe d’Huez und galt als die schwierigste der gesamten Tour. Sie umfasste 5.450 Höhenmeter, darunter drei Anstiege der höchsten Kategorie und einen der 1. Kategorie. Die Strecke nach Alpe d’Huez führte diesmal nicht über die bekannten 21 Kehren, sondern von der Ostseite über den Col de Sarenne.
Kampf um das Bergtrikot
Zehn Kilometer nach dem Start begann bereits die große Kletterei mit dem 24 Kilometer langen Anstieg zum Col de la Croix de Fer. Es wurde erwartet, dass an diesem Tag die Entscheidung im Kampf um das Bergtrikot fallen würde. Richard Carapaz hatte das Gepunktete Trikot am Vortag von Pogacar übernommen. Bei den direkten Duellen am Berg hatte der Ecuadorianer zuvor gegen Valentin Paret-Peintre, den Dritten in der Bergwertung, verloren.
Diesmal wählte Carapaz eine andere Strategie und ging 3,6 Kilometer vor der Passhöhe in die Offensive. Paret-Peintre konnte die Lücke nicht schließen. Carapaz erreichte die Bergwertung mit 22 Sekunden Vorsprung und holte sich die ersten 20 Punkte, während der Franzose als Zweiter 15 Punkte erhielt. Carapaz setzte sich danach ab, und Paret-Peintre musste in der Abfahrt viel riskieren, um wieder aufzuschließen. Die beiden Kletterspezialisten kämpften hart, zeigten aber beim Zusammenschluss gegenseitigen Respekt.
Hinter ihnen gab es eine Überraschung: Mads Pedersen erreichte den Col de la Croix de Fer vor dem Feld der Klassementfahrer. Der Mann im Grünen Trikot überraschte erneut mit seinen Kletterfähigkeiten. Bei der Sprintwertung bei Kilometer 66,5 im Tal holte Pedersen ohne Gegenwehr 25 Punkte und sicherte sich damit das Grüne Trikot. Er geht mit 82 Punkten Vorsprung nach Paris.
Danach ging es über den Col du Télégraphe hinauf auf das Dach der Tour. Knapp 30 Bergauf-Kilometer führten zum 2.642 Meter hohen Col du Galibier. Schon auf den ersten Kilometern hatte Paret-Peintre Probleme und verlor den Anschluss. Für Carapaz war nun der Weg frei, um das Bergtrikot zu sichern. Am Télégraphe holte er sich zehn Punkte.
Auf dem Dach der Tour krönte Carapaz seine Leistung, bei der er auch die 18. Etappe gewonnen hatte. 20 weitere Bergpunkte bedeuteten den Gewinn des Bergtrikots. Carapaz hatte nun 49 Punkte Vorsprung vor Pogacar, was uneinholbar war. Für Carapaz ging es nun auch um den Etappensieg. Die Rennsituation auf dem Galibier zeigte ein Spitzenquartett mit Carapaz, Sepp Kuss, Jai Hindley und Matthew Riccitello, dicht gefolgt von Juan Ayuso. Die nur noch fünfköpfige Gruppe mit den Top-Klassementfahrern hatte zu diesem Zeitpunkt fünf Minuten Rückstand. Es folgte eine lange Abfahrt, der Anstieg zum Col de Sarenne und das wellige Finale.
Die letzte Etappe der Tour de France wurde wegen Waldbränden in Frankreich auf 89 Kilometer verkürzt. Der Parcours führt wie im Vorjahr über den Pariser Hausberg Montmartre. Nach der dritten Passage sind es noch zehn Kilometer bis zur Ziellinie auf den Champs-Elysées.

Die 113. Frankreich-Rundfahrt endet am Sonntag in der französischen Hauptstadt.

Source: sportschau.de