Kontroverse um Elfmeter und eine Regelklarstellung
Im Viertelfinale der Fußball-WM 2026 zwischen Frankreich und Marokko kam es in der 25. Minute zu einer kontroversen Szene, die zu Diskussionen über die Auslegung einer neuen Regel führte. Frankreichs Superstar Kylian Mbappé drang in den Strafraum ein und wurde dort von Noussair Mazraoui gefoult. Schiedsrichter Facundo Tello zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt.
Bevor Mbappé den Strafstoß ausführen konnte, wurde die Entscheidung überprüft. Während dieser Wartezeit unterhielten sich Frankreichs Ousmane Dembélé und der marokkanische Spieler Issa Diop. Die beiden umarmten sich zunächst freundschaftlich, bevor Diop, der in Frankreich geboren wurde, etwas zu Dembélé sagte und dabei sein Trikot vor den Mund hielt. Diese Geste löste Spekulationen aus, da eine bei der WM eingeführte Regel vorsieht, dass Spieler, die ihren Mund mit Hand oder Trikot bedecken, vom Platz gestellt werden können.
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich bereits in der Vorrunde, als der Paraguayer Miguel Almiron nach einem Disput mit seinem türkischen Gegenspieler Mert Müldür vom Platz gestellt wurde. In diesem Fall war der Situation jedoch eine Rangelei vorausgegangen. Diop blieb ungestraft, da die Regelhüter des International Football Association Board (Ifab) präzisierten, dass ein Spieler nur dann vom Platz gestellt werden soll, wenn er in einer konfrontativen Situation mit einem Gegenspieler den Mund bedeckt.
FIFA-Schiri-Boss Pierluigi Collina hatte vor dem WM-Start klargestellt, dass Spieler ihren Mund weiterhin mit Arm und Trikot bedecken dürfen, wenn sie sich mit Freunden unterhalten. Die Regel wurde eingeführt, um rassistischen Beleidigungen entgegenzuwirken. Diop hatte Glück, dass Dembélé die Versuche, vor dem Elfmeter Unruhe zu stiften, mit einem Lächeln quittierte. Die Situation wurde dennoch überprüft und hatte letztlich Konsequenzen für Frankreich: Die lange Wartezeit vor dem Elfmeter führte dazu, dass Mbappé seinen Versuch an Marokkos Torwart Bono scheitern ließ.
Spielverlauf und Frankreichs Weg ins Halbfinale
Die erste Halbzeit des Viertelfinals blieb torlos, obwohl Frankreich eine deutliche Überlegenheit zeigte und 1,87 Expected Goals ungenutzt ließ. Nach dem Seitenwechsel starteten die Nordafrikaner mutiger in die Partie. Doch nach der ersten gelungenen Aktion der französischen Offensive zerfiel das Team von Trainer Ouahbi.
Mbappé brachte sein Team nach rund einer Stunde mit einem Schlenzer mit 1:0 in Führung. Nur sechs Minuten später, in der 66. Minute, erhöhte Ousmane Dembélé auf 2:0. Mit dieser Führung im Rücken spielte Frankreich die Partie geduldig zu Ende und sicherte sich den verdienten Sieg.
Frankreich zog mit diesem 2:0-Sieg über Marokko ins Halbfinale der WM 2026 ein. Marokko schied als letzter Vertreter Afrikas aus dem Turnier aus. Die französische Nationalelf steht damit zum dritten Mal in Folge im WM-Halbfinale, eine Leistung, die zuvor nur Brasilien (1994 bis 2002) und Deutschland (1982 bis 1990 sowie 2002 bis 2014) gelang.

Frankreich war in der Partie das gefährlichere Team. In der 81. Minute flankte Digne von der linken Seite ins Zentrum, wo Mateta zum Kopfball kam, dieser aber zu zentral war und von Bounou gehalten wurde. Auch Olise hatte in der 86. Minute eine Chance, seinen Schlenzer aus 15 Metern setzte er jedoch deutlich am langen Eck vorbei.
Die 22:5 Abschlüsse, davon 8:1 auf das Tor, und 3,04 Expected Goals unterstrichen die Überlegenheit Frankreichs. Ohne ihren verletzten Top-Torjäger Ismael Saibari konnte Marokko dem französischen Sieg zu keiner Zeit gefährlich werden. Das Team von Didier Deschamps blieb in der K.o.-Runde weiterhin ohne Gegentreffer.
Auswechslungen und Statistiken
Im Laufe der zweiten Halbzeit gab es mehrere Auswechslungen auf beiden Seiten. In der 71. Minute wechselte Deschamps Warren Zaïre-Emery für Manu Koné ein. Marokko nahm in der 74. Minute einen Doppelwechsel vor, wobei Zakaria El Ouahdi für Anass Salah-Eddine und Gessime Yassine für Brahim Díaz ins Spiel kamen.
In der 77. Minute wurde Kylian Mbappé ausgewechselt und durch Jean-Philippe Mateta ersetzt, was als Sicherheitsmaßnahme interpretiert wurde. Kurz darauf folgte ein weiterer Wechsel für Frankreich, als Bradley Barcola für Désiré Doué kam. Marokko nahm in der 85. Minute seinen letzten Wechsel vor, als Amine Sbaï für Chemsdine Talbi ins Spiel kam. In der 87. Minute wechselte Frankreich ein letztes Mal, Malo Gusto übernahm für Jules Koundé.
Interessante Statistiken zum Spielende zeigten, dass Frankreich die erste Mannschaft seit Brasilien 2002 ist, die bei einer FIFA Weltmeisterschaft zwei Spieler mit jeweils fünf oder mehr Toren in ihren Reihen hat (Dembélé 5, Mbappé 8). Mbappé knackte zudem die 100 Torbeteiligungen im Nationaldress (64 Tore, 36 Assists) und ist der erste Spieler seit Gerd Müller 1970, der an mindestens elf Treffern (8 Tore, 3 Vorlagen) bei einer einzelnen FIFA Weltmeisterschaft direkt beteiligt ist.
Das nächste Halbfinale findet am kommenden Dienstag um 21:00 Uhr in Dallas statt, wo Frankreich auf den Sieger der Partie zwischen Belgien und Spanien treffen wird.
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Source: n-tv.de