Englischer Schiedsrichter Anthony Taylor beendet Karriere nach Weltmeisterschaft

»Der Druck ist immens« – Englischer Schiedsrichter Anthony Taylor beendet Karriere

Karriereende nach der Weltmeisterschaft

Der englische Schiedsrichter Anthony Taylor hat nach der jüngsten Weltmeisterschaft seine Schiedsrichterkarriere beendet. In einer Erklärung vom Dienstag betonte der 47-Jährige, dass es ein „enormes Privileg“ gewesen sei, Spiele auf höchstem Niveau zu leiten. Gleichzeitig hob er den immensen Druck und die allgegenwärtige öffentliche Beobachtung hervor, die mit dieser Rolle einhergehen.

Taylor erklärte, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um einen Schritt zurückzutreten und sich auf den nächsten Abschnitt seiner Karriere zu konzentrieren. Sein letztes Spiel war am 6. Juli, als er die Partie zwischen Spanien und Portugal leitete, die Spanien mit 1:0 gewann.

Schiedsrichter Taylor (am 6. Juli beim WM-Spiel Portugal gegen Spanien): »Ein enormes Privileg«
Schiedsrichter Taylor (am 6. Juli beim WM-Spiel Portugal gegen Spanien): »Ein enormes Privileg«Foto:Kai Pfaffenbach Credit: spiegel.de

Kontroverse Entscheidungen und öffentliche Reaktionen

Während seiner Karriere, die 2006 begann und über 800 Spiele umfasste, war Anthony Taylor in der englischen Premier League, in europäischen Vereinswettbewerben und bei großen internationalen Turnieren im Einsatz. Deutsche Fußballfans erinnern sich insbesondere an Taylors Auftritt beim EM-Viertelfinale 2024 zwischen der DFB-Auswahl und Spanien.

In diesem Spiel, beim Stand von 1:1 in der Verlängerung, übersah Taylor ein Handspiel von Marc Cucurella im Strafraum nach einem Schuss von Jamal Musiala. Die Entscheidung, keinen Handelfmeter zu geben, führte dazu, dass Spanien das Spiel mit 2:1 durch ein Tor von Mikel Merino gewann und die DFB-Auswahl ausschied. Die UEFA räumte später den Fehler des Unparteiischen ein.

05-07-2024-Fussball-UEFA-EURO-EM-Europameisterschaft-Fussball-2024-Viertelfinale-Spanien-Deutschland-in-der-Stuttgart-Arena-Szene-des-Spieles-das-nicht-gegebene-Handspiel-Marc-Cucurella-mitte-Spanien-wird-der-Ball-von-Jamal-Musiala-li-Deutschland-an-die-Hand-gespielt-re-Florian-Wirtz-Deutschland
Albtraum-Szene in Deutschlands kollektivem Fußball-Gedächtnis: Marc Cucurella lenkt einen Schuss von Jama Musiala im 16er mit der Hand ab.(Foto:IMAGO/MIS) Credit: n-tv.de

Auch im Jahr 2023 sorgte Taylor für Schlagzeilen, als er das Finale der Europa League zwischen der AS Rom und dem FC Sevilla pfiff. Nach der Niederlage der AS Rom im Elfmeterschießen bezeichnete der damalige Trainer der AS Rom, José Mourinho, Taylor als „Schande“. Es kam zu vielen Diskussionen auf dem Spielfeld und in den Coachingzonen, und Taylor verteilte insgesamt 14 Gelbe Karten, darunter eine an Mourinho in der Verlängerung.

Die Situation eskalierte nach dem Finale, als Taylor und seine Familie bei der Abreise von Sicherheitskräften begleitet werden mussten. Wütende Fans der AS Rom beschimpften ihn und warfen Gegenstände in seine Richtung. Taylor beschrieb dies später als die „schlimmste Situation“, die er in seiner Karriere erlebt hatte.

Referee-Anthony-Taylor-during-the-FIFA-World-Cup-USA-2026-Round-of-16-match-between-Portugal-and-Spain-at-Dallas-Stadium-in-Dallas-United-States-on-July-6-2026
Anthony Taylor kam auch bei der diesjährigen WM zum Einsatz.(Foto:picture alliance / NurPhoto) Credit: n-tv.de

Umgang mit Druck und zukünftige Pläne

Trotz der kontroversen Momente erhielt Anthony Taylor auch Lob für seinen Umgang mit schwierigen Situationen, wie dem tragischen Zusammenbruch von Dänemarks Christian Eriksen bei der Europameisterschaft vor sechs Jahren. Er war auch bei der WM 2022 und den Europameisterschaften 2020 und 2024 im Einsatz.

Das Pfeifen auf diesem Niveau sei ein „enormes Privileg“ gewesen, so Taylor, aber der Druck sei „intensiv“ und die Beobachtung „ununterbrochen“. Nach 831 geleiteten Spielen, darunter 163 Länderspiele, freut sich Anthony Taylor nun darauf, das nächste Kapitel seiner Karriere aufzuschlagen.

Read Also

Source: spiegel.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.