Forderung nach FIFA-Intervention
Die Regierung der Falklandinseln hat den Fußball-Weltverband FIFA aufgefordert, nach einer politischen Geste argentinischer Spieler im WM-Halbfinale Maßnahmen zu ergreifen. Nach dem 2:1-Sieg gegen England in Atlanta zeigten argentinische Spieler ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas“ („Die Falklandinseln sind argentinisch“). Diese Aktion wird als Verstoß gegen die FIFA-Regeln angesehen, die politische Botschaften im Umfeld von WM-Spielen verbieten.
In einer Erklärung drückte die Regierung der Falklandinseln ihre Enttäuschung, aber nicht Überraschung über das Verhalten des argentinischen Teams aus. Das Parlament der Inselgruppe im Südatlantik wandte sich zudem in einem öffentlichen Brief an das Disziplinarkomitee der FIFA. Auch die britische Regierung hatte zuvor eine Untersuchung durch den Weltverband gefordert.
Hintergrund des Konflikts und FIFA-Regeln
Die FIFA hat angekündigt, den Fall zu prüfen. Ein Sprecher des Weltverbandes teilte mit, dass die unabhängige Disziplinarkommission der FIFA die Spielberichte prüfe und die relevanten Umstände abwäge, bevor über mögliche weitere Schritte entschieden werde. Eine mögliche Strafe wird jedoch erst nach dem Finale gegen Spanien erwartet.
Der Hintergrund des Streits um die Inselgruppe reicht bis zum Falkland-Krieg von 1982 zurück, einem bewaffneten Konflikt zwischen Großbritannien und Argentinien. Hunderte Menschen kamen damals ums Leben. Das britische Militär vertrieb die argentinischen Angreifer von dem dünn besiedelten Überseegebiet. Obwohl die Niederlage den Sturz der Militärregierung in Argentinien beschleunigte, hat Buenos Aires seine Ansprüche auf die Inselgruppe, die in Argentinien als Las Malvinas bekannt ist, bis heute nicht aufgegeben. Die Bewohner der Inseln sprachen sich in einem Referendum im Jahr 2013 mehrheitlich für die Zugehörigkeit zu Großbritannien aus.
Die FIFA-Regularien untersagen Spielern und Offiziellen, politische Botschaften zu präsentieren. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich bereits 2014, als der argentinische Verband eine Strafe von 30.000 Schweizer Franken zahlen musste, weil Spieler bei einem Freundschaftsspiel gegen Slowenien ein ähnliches Banner gezeigt hatten.
Reaktionen und Aberglaube um das Finale
Während die politische Auseinandersetzung um das Banner andauert, hat die Aktion auch unter argentinischen Fans im Internet für Aufsehen gesorgt. Fotos von der Entstehung des Banners in einem Hotelzimmer wurden geteilt, und ein Kellner der argentinischen Nationalmannschaft zeigte sich nach dem Spiel mit dem Banner.
Abseits der politischen Kontroverse wird das WM-Finale zwischen Argentinien und Spanien am Sonntag von verschiedenen Persönlichkeiten verfolgt. Argentiniens Präsident Javier Milei wird das Spiel aus Aberglauben nicht im Stadion besuchen. Er erklärte in einem Interview, dass er das Spiel wie die bisherigen Partien der argentinischen Nationalmannschaft von seinem Amtssitz in der Provinz Buenos Aires aus verfolgen werde. Zu seiner Glücksroutine gehört es, stets dieselbe Jacke zu tragen. Er berichtete, dass er sie während des Achtelfinals gegen die Schweiz (3:1 nach Verlängerung) kurz ausgezogen hatte, woraufhin ein Gegentor fiel. Seitdem habe er sie nicht mehr ausgezogen.
Sollte Argentinien den WM-Titel verteidigen, hat Milei angekündigt, den Präsidentenpalast Casa Rosada für eine Feier der Nationalmannschaft zur Verfügung zu stellen. Er betonte, dass die Politik sich dieses Fest der Argentinier nicht aneignen solle. Aberglaube, in Argentinien als „Cábalas“ bekannt, ist ein fester Bestandteil der Fußballkultur vieler Fans, die Spiele oft am gleichen Ort oder in derselben Kleidung verfolgen.
Auch Paraguays Präsident Santiago Peña verzichtete nach dem verlorenen Auftaktspiel seiner Nationalmannschaft aus Aberglauben auf weitere Stadionbesuche. Er verfolgte das Achtelfinale gegen Frankreich lieber von zu Hause, nachdem Paraguay ohne seine Anwesenheit zuvor Deutschland ausgeschaltet hatte. Die Südamerikaner schieden jedoch gegen Frankreich mit 0:1 aus.
US-Präsident Donald Trump wird hingegen am Sonntag persönlich am Finale der Fußball-Weltmeisterschaft teilnehmen. Das Weiße Haus teilte mit, dass Trump das Spiel zwischen Spanien und Argentinien im MetLife-Stadion in East Rutherford, New Jersey, verfolgen wird. Er reist bereits am Freitag nach New York, um an einem FIFA-Empfang im Trump Tower teilzunehmen. FIFA-Chef Gianni Infantino hatte angekündigt, den WM-Pokal gemeinsam mit Trump an die Siegermannschaft zu übergeben.

Das Halbfinale zwischen Argentinien und England sorgte in der ARD für eine hohe Einschaltquote. 13,7 Millionen Menschen verfolgten den Finaleinzug Argentiniens nach dem 2:1-Erfolg. Dies übertraf die Quote des ersten Halbfinals im ZDF, das von 12,69 Millionen Zuschauern gesehen wurde.
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Source: faz.net