Der belgische Radprofi Tim Merlier vom Team Soudal Quick-Step hat seinen Erfolg bei der Tour de France fortgesetzt. Er gewann die 12. Etappe über 179,1 km nach Chalon-sur-Saône und feierte damit seinen dritten Tagessieg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Im Massensprint setzte sich der ehemalige Europameister gegen seine Konkurrenz durch. Der Niederländer Olav Kooij von Decathlon-CMA CGM belegte den zweiten Platz, gefolgt von Jasper Philipsen aus Belgien vom Team Alpecin-Premier Tech.
Für die deutschen Sprint-Hoffnungen, darunter Max Kanter von XDS Astana, reichte es erneut nicht für einen Sieg. Kanter erreichte den siebten Platz. Die 12. Etappe war möglicherweise die letzte Sprintentscheidung der diesjährigen Tour. Kurz hinter Kanter ereignete sich ein schwerer Massensturz, bei dem mehrere Fahrer zu Fall kamen und teilweise schwer verletzt liegen blieben. Pascal Ackermann, ein weiterer deutscher Fahrer, berichtete, dass er „noch immer zittere“, da der Sturz direkt neben ihm geschah.
Massensturz überschattet Etappenfinale
Der Massensturz ereignete sich bei hoher Geschwindigkeit, wobei der Kolumbianer Fernando Gaviria den Crash im Finale auslöste. Mehr als ein Dutzend Fahrer stürzten bei etwa 60 km/h. Nur eine kleine Gruppe an der Spitze blieb von dem Vorfall unbeeinträchtigt. Pascal Ackermann, der den 15. Platz belegte, schilderte die dramatischen Szenen und betonte, wie knapp er dem Sturz entgangen sei. Er habe sich bereits darauf vorbereitet, den Lenker festzuhalten, falls er springen müsse, aber die gestürzten Fahrer seien gerade noch in die andere Richtung geflogen.
Max Kanter äußerte sich ebenfalls zu dem Vorfall und sagte, der Sturz sei knapp hinter ihm gewesen. Eine Welle von rechts habe die Fahrer erfasst, die sich dann irgendwo verhakten. Trotz des Glücks, dem Sturz entgangen zu sein, reichte es für Kanter nicht für eine Top-Platzierung. Er erklärte, sie seien vielleicht einen Tick zu früh gewesen, aber lieber zu früh als zu spät. Für ihn sei der Weg zu lang gewesen, da er viele Positionen verloren habe.

Die Zeiten, in denen deutsche Sprinter wie Marcel Kittel und André Greipel reihenweise Etappensiege bei der Tour einfuhren, scheinen allmählich zu verblassen. Der letzte deutsche Tagessieg liegt 1.834 Tage zurück, als Nils Politt im Jahr 2021 in Nîmes triumphierte. Die deutschen Sprint-Asse spielten bei dieser Etappe erneut eine Nebenrolle, während Tim Merlier seinen dritten Tagessieg feierte und sich als Sprintkönig der 113. Frankreich-Rundfahrt etablierte.
Gesamtwertung unverändert, Blick auf die Gebirgsetappe
Das Gelbe Trikot von Spitzenreiter Tadej Pogacar von UAE Emirates-XRG geriet erneut nicht in Gefahr. Der viermalige Gesamtsieger aus Slowenien behält seinen Vorsprung von 3:36 Minuten auf seinen Verfolger Jonas Vingegaard aus Dänemark vom Team Visma-Lease a Bike. Der Vorjahresdritte Florian Lipowitz von Red Bull-Bora-hansgrohe liegt mit einem Rückstand von 4:44 Minuten auf dem sechsten Platz der Gesamtwertung.
Tim Merlier, der bereits zum zehnten Mal bei den großen Rundfahrten triumphierte, ist eine Klasse für sich. Es ist erst sein sechster Start bei der Tour, dem Giro oder der Vuelta. Im Jahr 2024 gewann er auch die Europameisterschaft und setzte sich dabei gegen seinen Landsmann Jasper Philipsen durch. Sein Anfahrer Jasper Stuyven bezeichnete ihn als den „Schnellsten der Welt“. Merlier, der mit Cameron Vandenbroucke verheiratet ist, der Tochter des 2009 verstorbenen belgischen Radstars Frank Vandenbroucke, zeigte sich auch unter Druck stets ruhig und panikfrei, wie sein Sportdirektor Tom Steels lobte.

Nach zwei Flachetappen kehrt die Tour de France am Freitag ins Gebirge zurück. Die 13. Etappe führt über 205,8 km von Dole nach Belfort. Obwohl die ganz großen Anstiege auf dieser Etappe fehlen, stehen ein Anstieg der dritten Kategorie sowie der Ballon d’Alsace, ein Berg der ersten Kategorie, auf dem Programm. Der Ballon d’Alsace ist etwa 25 Kilometer vor dem Ziel zu bewältigen. Ausreißer werden sich auf dieser Etappe große Hoffnungen auf einen Tagessieg machen.
Das Peloton hatte am Mittwoch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50,91 km/h einen Rekord aufgestellt, ausgenommen Prologe oder Zeitfahren. Am Donnerstag war das Tempo aufgrund des zwischenzeitlichen Regens etwas geringer. Gut 25 Kilometer nach dem Start auf der Rennstrecke in Magny-Cours, wo einst Michael Schumacher achtmal triumphierte, setzte sich eine vierköpfige Spitzengruppe mit Baptiste Veistroffer ab. Diese Gruppe wurde jedoch 35 Kilometer vor dem Ziel wieder eingeholt, und weitere Ausreißversuche blieben erfolglos.
Florian Lipowitz, der 25-Jährige vom deutschen Red-Bull-Team, hatte während der Etappe sogar Zeit für Späße. Er zielte mit einer Trinkflasche auf eine Zielscheibe am Straßenrand und kommentierte seinen Fehlschuss im Fernsehen mit den Worten: „Das ist der Grund, warum ich mit Biathlon aufgehört habe.“ Lipowitz hatte seine Sportkarriere als Biathlet begonnen und war Teil des Nationalkaders, bevor er aufgrund von Verletzungen und intensivem Training auf dem Rad seine Leidenschaft für den Radsport entdeckte. Er wird sein Können am Freitag auf der Etappe nach Belfort erneut unter Beweis stellen können.
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Source: faz.net