Sturz von Florian Lipowitz bei der Tour de France: Reaktionen und Diskussionen

Tour de France: Armstrong nimmt Lipowitz nach Sturz-Drama in Schutz - Sport1

Sturz von Florian Lipowitz und die Reaktionen

Nach dem schweren Sturz von Florian Lipowitz bei der Tour de France, der zu seinem Ausscheiden aus dem Rennen führte, haben sich verschiedene Stimmen zu den Ursachen und Verantwortlichkeiten geäußert. Der deutsche Fahrer war auf der 16. Etappe während des Einzelzeitfahrens in einer Kurve gestürzt und gegen einen Bordstein geprallt. Infolge des Unfalls wurde Lipowitz operiert.

Lance Armstrong, ein ehemaliger Tour-Sieger, nahm Lipowitz in Schutz. In seinem Podcast „The Move“ erklärte Armstrong, dass die Straße an der Unfallstelle Unebenheiten aufgewiesen habe, die zum Wegrutschen von Lipowitz geführt haben könnten. Sein Podcast-Partner Bradley Wiggins stimmte dieser Einschätzung zu und wies ebenfalls auf mögliche Bodenwellen hin. Auch Tadej Pogacar, der Gesamtführende, wäre in derselben Kurve beinahe gestürzt und beklagte, dass Organisatoren-Autos die Sicht bei der Streckenbesichtigung behindert hätten.

Demgegenüber sah Ralph Denk, der Teammanager von Red Bull-Bora-hansgrohe, die Schuld zunächst eher bei Lipowitz selbst. Denk äußerte, dass Lipowitz in der Kurve zu schnell gewesen sei und dies als Fahrfehler einzuschätzen sei. Er betonte, dass er keinen anderen Schuldigen sehe.

Diskussion um Streckensicherung und Teamverantwortung

Trotz Denks anfänglicher Einschätzung, dass Lipowitz zu schnell unterwegs war, kritisierte er später die Streckensicherung. Denk bemängelte, dass an der Absicherung gespart worden sei und bezeichnete die Kurvensicherung als „Niveau Dorfjugendrennen“. Er argumentierte, dass eine professionellere Absicherung, insbesondere der Gehsteig und die Polsterung, möglicherweise schlimmere Verletzungen hätte verhindern können. Lipowitz hatte sich bei dem Sturz einen Schlüsselbeinbruch zugezogen.

Die Protagonisten in Armstrongs Podcast sahen hingegen eine Mitschuld beim Team. George Hincapie, ein früherer Kollege Armstrongs, betonte, dass die Verantwortung auch bei den Teamdirektoren liege. Er führte aus, dass es die Aufgabe des Begleitfahrzeugs sei, Notizen zu gefährlichen Kurven zu machen und die Fahrer ständig darauf hinzuweisen. Armstrong stimmte dem zu und erklärte, dass sie ihre Fahrer kontinuierlich an solche Gefahrenstellen erinnern würden.

Wiggins wies zudem darauf hin, dass die Streckenbesichtigung nur zu bestimmten Tageszeiten und unter anderen Bedingungen möglich sei. Er erklärte, dass die Kurve, in der Lipowitz stürzte, auf die andere Seite einer Mittelinsel führte und stark gepolstert war. Solche Details seien bei einer Besichtigung auf offener Straße schwer vorhersehbar, da man nicht wisse, wie die Strecke präpariert werde.

Lipowitz‘ Zustand und mentale Unterstützung

Nach dem Sturz wurde Florian Lipowitz bereits am Dienstagabend in einer Klinik am Genfer See wegen seines Schlüsselbeinbruchs operiert. Laut Denk geht es dem Fahrer den Umständen entsprechend gut, obwohl er noch im Krankenhaus verbleiben sollte. Neben dem Schlüsselbeinbruch erlitt Lipowitz auch Hautabschürfungen.

Denk berichtete, dass sie bereits wieder mit Lipowitz scherzen konnten, was auf eine gute Verarbeitung des Schocks hindeutet. Lipowitz‘ Familie und Freundin Antonia Weeger sind bei ihm. Das Team bietet dem Fahrer auch mentale Unterstützung an, um die Enttäuschung über das vorzeitige Tour-Aus zu verarbeiten. Denk erwähnte, dass spezielle Abteilungen wie Mental Performance sich um Lipowitz kümmern werden, um ihm das Gefühl zu geben, dass alles getan wird.

Der Teamchef äußerte, dass es für Lipowitz weitergehen werde und er nicht der einzige große Rennfahrer sei, dem so etwas passiert ist. Er geht davon aus, dass Lipowitz dieses Jahr noch bei Rennen auf dem Rad zu sehen sein wird. Der Sturz von Lipowitz ereignete sich, als er im Kampf um den dritten Platz im Einzelzeitfahren bereits Sekunden gegenüber Paul Seixas aufgeholt hatte.

Auch Jonas Vingegaard stürzte am Sonntag auf einer Etappe nach Le Markstein, ebenfalls in einer Rechtskurve, und zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu, was ebenfalls zum Ausscheiden aus der Tour führte.

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Source: sport1.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.