Umstrittener Ausgleichstreffer und VAR-Entscheidungen
England hat sich in einem umkämpften WM-Viertelfinale gegen Norwegen mit 2:1 nach Verlängerung durchgesetzt und zieht damit ins Halbfinale ein. Das Spiel war jedoch von mehreren umstrittenen Szenen geprägt, die insbesondere auf norwegischer Seite für große Enttäuschung sorgten.
Ein zentraler Diskussionspunkt war der Ausgleichstreffer zum 1:1 durch Jude Bellingham in der 45.+2 Minute. Kurz vor diesem Tor soll der Ball nach einem Abschlag von Norwegens Torhüter Ørjan Nyland ein über dem Spielfeld gespanntes Kameraseil berührt haben. Die FIFA teilte mit, dass die Daten des Sensors im Ball keinen Kontakt angezeigt hätten und es somit keinen Beweis für eine Berührung gebe. Trotzdem deutete Nyland nach dem Treffer sofort nach oben und beschwerte sich beim französischen Schiedsrichter Clément Turpin.
Nach den Regeln hätte bei einer Berührung des Balls mit einem nicht zum Spielfeld gehörenden Objekt ein Schiedsrichterball erfolgen müssen. Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Mark Clattenburg äußerte im US-Fernsehsender Fox, dass der VAR in dieser Situation hätte eingreifen und die Szene überprüfen müssen. Norwegens Trainer Ståle Solbakken sprach nach dem Spiel von einem Ball, der „direkt aus dem Himmel gefallen“ sei und äußerte Zweifel an der Darstellung der FIFA.
Eine weitere umstrittene Entscheidung betraf ein vermeintliches 2:0 für Norwegen durch Torbjörn Heggem in der 55. Minute. Dieser Treffer wurde nach Überprüfung durch den VAR aberkannt, da Erling Haaland zuvor einen englischen Spieler geschubst hatte. Auch hier gab es Diskussionen, ob der Schubser ausreichend war, um das Tor zu annullieren.
Haaland-Senior und Tuchels Unzufriedenheit
Die Emotionen kochten auch abseits des Spielfeldes hoch. Alf-Inge Haaland, der Vater von Superstar Erling Haaland, zeigte sich während und nach dem Spiel sichtlich frustriert. Er wurde von TV-Kameras eingefangen, wie er nach einer VAR-Entscheidung gegen England, die einen Elfmeter zurücknahm, eine Schwalben-Bewegung machte und sich später auch über den Schiedsrichter äußerte. Er spielte von 1993 bis 2003 in England.
Die Entscheidung in der 99. Minute, einen Elfmeter für England nach einem Zweikampf zwischen Spence und Bobb zurückzunehmen, sorgte ebenfalls für Aufsehen. Der VAR beorderte Schiedsrichter Turpin an den Monitor, der nach Ansicht der Bilder auf keinen Strafstoß entschied.
Trotz des Sieges zeigte sich Englands Trainer Thomas Tuchel nach dem Spiel unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Er betonte, dass sie in den kommenden Tagen besser spielen müssten, um im Halbfinale bestehen zu können. Bellingham hingegen wurde zum Matchwinner, erzielte das Ausgleichstor und in der Verlängerung das entscheidende 2:1 in der 93. Minute nach einem Fehler von Nyland. Er wurde in der 111. Minute ausgewechselt und feierte seinen Doppelpack.
England zieht damit zum ersten Mal seit 2018 wieder ins Halbfinale einer Fußballweltmeisterschaft ein.
Read Also
Source: n-tv.de