Wachsende Opposition gegen FIFA-Präsident
Der Widerstand gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino nimmt zu, da Wales und England als erste nationale Verbände ihre Unterstützung für eine Wiederwahl zurückgezogen haben. Der walisische Fußballverband FAW hat die FIFA über diesen Schritt informiert und wird Infantinos Kandidatur für die Amtszeit von 2027 bis 2031 nicht länger unterstützen. Berichten zufolge hat auch der englische Verband seine Unterstützung entzogen.
Die Entscheidung der Verbände folgt auf Kritik an den Plänen der FIFA, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Diese Pläne wurden nach massivem Widerstand zurückgezogen. Die UEFA, der sowohl Wales als auch England angehören, hatte zuvor mit einem Boykott gedroht und Infantino scharf kritisiert.
Laut einem Bericht wächst der Druck auf den seit 2016 amtierenden FIFA-Chef insbesondere in Europa. Es wird erwartet, dass weitere Verbände dem Beispiel von Wales und England folgen und ihre Unterstützung zurückziehen könnten.
Mögliche Herausforderer und Abläufe
Die Zeit für Gianni Infantino als FIFA-Präsident könnte ablaufen. Mehrere Medien haben mögliche Pläne der Infantino-Gegner beschrieben. Ein möglicher Ablauf könnte darin bestehen, dass Infantino bei einer Sondersitzung des FIFA-Councils, dem wichtigsten Entscheidungsgremium des Weltverbandes, zum Rücktritt aufgefordert wird. Für die Einberufung einer Krisensitzung müssten mindestens 19 der 37 Mitglieder zustimmen, und das Treffen müsste innerhalb von zwei Wochen stattfinden. Sollte Infantino einen sofortigen Rücktritt ablehnen, könnte ein Gegenkandidat aufgebaut werden. Dafür müssten sich Infantino-Gegner aus Europa, Asien sowie Mittel- und Nordamerika auf einen Herausforderer einigen.
Als mögliche Herausforderer werden mehrere Namen gehandelt. Zunächst galt Nasser Al-Khelaifi als Favorit, der katarische Besitzer von Paris Saint-Germain. Er hat jedoch bereits mitgeteilt, kein Interesse am Posten des FIFA-Chefs zu haben. Er bleibt vorerst Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee und Vertrauter von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.
Aleksander Ceferin selbst wäre ein logischer Herausforderer. Der slowenische Rechtsanwalt hat jedoch bereits eine erneute Kandidatur für den europäischen Dachverband im Jahr 2027 ausgeschlossen. Er äußerte, dass jede Organisation nach einer gewissen Zeit „frisches Blut“ benötige.
Auch der asiatische Verbands-Boss Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa aus Bahrain wird in Gesprächen genannt. Er hatte Infantino bereits im Jahr 2016 herausgefordert, unterlag jedoch bei der Präsidentenwahl.
Victor Montagliani, Präsident des für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständigen Kontinentalverbands Concacaf, werden ebenfalls Ambitionen nachgesagt. Ein weiterer Name ist Mattias Grafström, der nach einer Interimszeit im Jahr 2024 offiziell FIFA-Generalsekretär wurde. Obwohl er als enger Vertrauter von Gianni Infantino gilt, soll er Medienberichten zufolge angeblich eine Chance auf den höchsten Posten im Weltfußball sehen.
Eine alternative Möglichkeit für einen Sturz Infantinos wäre, dass 43 der 211 FIFA-Mitglieder einen außerordentlichen Kongress beantragen und eine Mehrheit für ein Misstrauensvotum gegen Infantino erhalten. Dies könnte ihn bereits vor der regulären Wahl im März 2027 aus dem Amt entfernen.
Infantinos Kampf um das Amt
Infantino kämpft um sein Amt. Seine Vertrauten sprechen mit Vertretern von Ländern, von denen sie sich Unterstützung erhoffen, hauptsächlich aus Afrika und Südamerika. Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen für die Wahl zum FIFA-Präsidenten einreichen. Bislang gibt es keinen offiziellen Gegenkandidaten zu Infantino.
Die Hauptsponsoren der FIFA sollen aufgrund der negativen Reaktionen auf Infantinos Verkaufsverhandlungen alarmiert sein. Die beteiligte Bank JP Morgan soll sich aufgrund des weltweiten Protests aus dem Projekt zurückgezogen haben.
Infantino plant, sich am 18. März 2027 auf dem 77. FIFA-Kongress in Rabat, Marokko, ein letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen zu lassen.
Source: spiegel.de