Kimmichs Enttäuschung und die Debatte um die Nationalmannschaft
Joshua Kimmich hat seine anhaltende Enttäuschung über das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft zum Ausdruck gebracht. Obwohl die Mannschaft bereits im Achtelfinale gegen Paraguay ausgeschieden ist, betonte der 31-jährige Bayern-Profi seinen Stolz, Kapitän des Teams zu sein. Er schrieb an die Fans, dass die Mannschaft ihnen und sich selbst gerne mehr zurückgegeben hätte. Ein Rücktritt aus der Nationalmannschaft ist für ihn nach eigenen Angaben kein Thema, doch er räumte ein, dass er mehr als nur ein paar Tage brauchen werde, um das Erlebte zu verarbeiten.
Das deutsche Team schied bei dieser WM im Achtelfinale aus, nachdem es bei den Turnieren 2022 und 2018 bereits in der Gruppenphase gescheitert war. Kimmich war bei allen drei Turnierpleiten dabei. In den sozialen Medien bedankte sich das DFB-Team bei seinen Fans für die Unterstützung, übte aber auch Selbstkritik am frühen Ausscheiden und prangerte diskriminierende Hasskommentare an. Der Verband stellte klar, dass Kritik an den Leistungen berechtigt sei, Hass und Rassismus jedoch nicht akzeptiert würden. Der Fußball stehe für Gemeinschaft und Zusammenhalt, nicht für Spaltung.
Inmitten der Diskussionen um die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann haben Ex-Weltmeister Bastian Schweinsteiger und Torwart-Legende Oliver Kahn eine Debatte über Tugenden und Verantwortung der Fußballer angestoßen. Kahn schrieb auf LinkedIn, dass die Debatte über den nächsten Bundestrainer am Kern vorbeiführe. Er argumentierte, dass drei Bundestrainer mit unterschiedlichen Spielideen und Führungsstilen am selben Punkt gescheitert seien, was darauf hindeute, dass die Ursache tiefer liege. Er kritisierte, dass die deutschen Spieler Verantwortung scheuten und verwies auf Kimmichs Suche nach freiwilligen Schützen im Elfmeterschießen gegen Paraguay.
Kahn betonte, dass eine Spitzenmannschaft in solchen Momenten keine Freiwilligen suche, sondern Spieler habe, die den Ball verlangen. Er ist der Meinung, dass die Mannschaft zwar über außergewöhnliche Fußballer verfüge, ihr aber die Selbstverständlichkeit fehle, im größten Moment Verantwortung zu übernehmen. Er forderte, dass junge Spieler bereits früh lernen müssten, Verantwortung zu übernehmen, da die Fähigkeit, unter großem Druck handlungsfähig zu bleiben, über Jahre entwickelt werde. Zudem beklagte er eine Art Bequemlichkeit, bei der Spitzenleistungen ohne maximalen Druck und Verzicht erwartet würden.
Schweinsteiger kritisierte den Fokus der Ausbildung und meinte, dass man die eigenen Stärken und Tugenden vernachlässigt habe, für die man im Ausland respektiert worden sei. Er zählte Robustheit, Identität und Kampf als verlorene Eigenschaften auf. Diese Defizite seien in den Spielen gegen Ecuador, Paraguay und die Elfenbeinküste deutlich geworden. Er zitierte ehemalige Kollegen, die sagten, die DFB-Elf habe ihre DNA verloren und könne nicht mehr so gut Fußball spielen, was zum frühen Ausscheiden führte. Schweinsteiger äußerte wenig Hoffnung auf schnelle Veränderungen bis zur kommenden Europameisterschaft 2028 und bezeichnete die aktuelle Situation als „Mittelmaß“.
Neue Regelungen und weitere WM-Ereignisse
Eine neue Regelverschärfung bei der WM, die das Verdecken des Mundes bei Disputen mit Gegenspielern betrifft, kam erneut zum Einsatz. Ecuador-Verteidiger Piero Hincapié sah in der Nachspielzeit der Partie gegen Mexiko die Rote Karte, nachdem er sich in einem Wortgefecht mit Santiago Giménez den Mund verdeckt hatte. Der slowenische Unparteiische Slavko Vinčić überprüfte die Szene und entschied auf Rot. Dies war bereits der zweite Vorfall dieser Art bei der WM; zuvor hatte Paraguays Miguel Almirón in der Gruppenphase wegen derselben Geste Rot gesehen.
Offensivspieler Said El Mala vom 1. FC Köln sorgte nach dem deutschen WM-Aus mit einem rätselhaften Beitrag auf TikTok für Diskussionen. Er veröffentlichte eine Bildergalerie mit der Frage: „Hat sich das gelohnt?“. Viele Fans deuteten den Post als versteckte Botschaft an Bundestrainer Julian Nagelsmann, der El Mala nicht für die Weltmeisterschaft nominiert hatte. El Mala war im vergangenen November erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert worden, kam aber nicht zum Einsatz. Die Entscheidung, ihn vor der WM erneut nicht zu berücksichtigen, führte zu Diskussionen.
Die FIFA meldete einen deutlichen Anstieg rassistischer Kommentare in den sozialen Medien während der Fußball-WM. Elf Prozent aller als beleidigend eingestuften Beiträge seien rassistischer Natur, was einen Zuwachs von drei Prozent im Vergleich zur vorherigen WM in Katar im November und Dezember 2022 darstellt. Laut FIFA-Angaben wurden 1.000 Accounts an Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Die FIFA beruft sich dabei auf den Social Media Protection Service (SMPS), der die Accounts von an der WM teilnehmenden Teams, Spielern, Trainern und Schiedsrichtern schützt.
Kylian Mbappé zeigte nach seinem Tor zum 1:0 gegen Schweden einen emotionalen Jubel, indem er direkt auf seinen Trainer Didier Deschamps zulief. Dieser Jubel wurde als Botschaft der Unterstützung interpretiert, da Deschamps während der WM einen schweren Schicksalsschlag erlitten hatte, den Tod seiner Mutter. Er verpasste das letzte Gruppenspiel seines Teams, um bei der Beerdigung anwesend zu sein. Deschamps kehrte zum Start der K.-o.-Runde zurück und erklärte auf der anschließenden Pressekonferenz, dass Mbappés Geste ihn sehr berührt habe.

Nico Schlotterbeck äußerte sich emotional nach dem WM-Aus und seiner Verletzung. Er schrieb, dass sich alles, wofür er lange gearbeitet habe, in den letzten Tagen zusammengebrochen anfühle. Das Ausscheiden aus dem Turnier schmerze ihn sehr, und er könne nicht so tun, als sei alles wieder normal. Am meisten mache es ihn fertig, dass er der Mannschaft wegen seiner Verletzung nicht so helfen konnte, wie er es sich vorgenommen hatte. Schlotterbeck hatte sich einen Bänderriss im linken Knöchel in der WM-Partie gegen die Elfenbeinküste zugezogen, was für Bundestrainer Julian Nagelsmann besonders bitter war, da der Dortmunder der einzige Linksfuß in der Innenverteidigung war und für den Spielaufbau wichtig ist. DFB-Mediziner gehen von einer mehrmonatigen Pause aus.
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