Tadej Pogacar hat auf der 6. Etappe der Tour de France seine Stärke unter Beweis gestellt und sich das Gelbe Trikot zurückerobert. Nach einer beeindruckenden Solofahrt über 42 Kilometer siegte der Slowene bei der ersten Bergankunft der Tour in Gavarnie-Gèdre. Dieser Erfolg markiert seinen 23. Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt und bringt ihn in eine führende Position im Gesamtklassement.
Die Etappe führte die Fahrer über 186 Kilometer von Pau nach Gavarnie-Gèdre und beinhaltete zwei anspruchsvolle Anstiege: den Col d’Aspin und den Tourmalet. Letzterer war der erste Berg der höchsten Kategorie in dieser Tour. Insgesamt mussten die Profis 4.100 Höhenmeter überwinden, bevor ein 18,7 Kilometer langer Anstieg mit durchschnittlich 3,7 Prozent Steigung zum Ziel führte.
Pogacars entscheidende Attacke
Pogacar setzte seine entscheidende Attacke am vorletzten Berg, dem Col du Tourmalet. Sein Team UAE hatte den Angriff sorgfältig vorbereitet. Keiner der anderen Klassementfahrer in der Spitzengruppe konnte dem Tempo des 27-Jährigen folgen. Auf der anschließenden Abfahrt und dem Schlussanstieg baute Pogacar seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Jonas Vingegaard belegte den zweiten Platz auf der Etappe mit einem Rückstand von 2:38 Minuten, während Pogacars Teamkollege Isaac del Toro Dritter wurde.
Der Slowene äußerte sich nach dem Rennen überglücklich: „Es ist ein unglaublicher Sieg und einer meiner schönsten. Das ist sicher.“ Er betonte, dass er schon am Morgen der Etappe hochmotiviert gewesen sei und das Team beschlossen habe, alles zu geben, ohne Rücksicht auf Verluste. Pogacar führt nun im Gesamtklassement mit 2:42 Minuten Vorsprung vor Vingegaard.
Am Col d’Aspin gab es bereits erste spannende Momente. Ben O’Connor führte zunächst, doch seine Flucht wurde 4,8 Kilometer vor der Bergwertung beendet. Der Kampf um die Bergpunkte war intensiv, wobei sich Lenny Martinez knapp zehn Bergpunkte vor Valentin Paret-Peintre sicherte. Die 6. Etappe galt als eigentlicher Startschuss für den Kampf um das Bergtrikot, da hier bis zu 38 Punkte gesammelt werden konnten.

Am Tourmalet begann ein hartes Ausscheidungsfahren. Pogacar hatte zu Beginn des Anstiegs noch fünf Helfer an seiner Seite, die er nacheinander „verschleißte“. Die Favoritengruppe schrumpfte stetig. Torstein Traeen, der das Gelbe Trikot trug, musste bereits zehn Kilometer vor der Bergwertung abreißen lassen. Die entscheidende Attacke des UAE-Teams erfolgte 4,9 Kilometer vor der Bergwertung am Tourmalet, als del Toro mit Pogacar am Hinterrad beschleunigte und eine Lücke riss.
Traeens Sturz und Aufgabe
Für Torstein Traeen endete die Etappe unglücklich. Schon früh war klar, dass er das Gelbe Trikot nicht verteidigen konnte. Rund 50 Kilometer vor dem Ziel verlor der Norweger den Kontakt zur Spitzengruppe. Ein Sturz auf der Abfahrt vom Tourmalet kostete ihn zusätzlich viel Zeit. Traeen, der vor der Etappe 7:53 Minuten Vorsprung auf Pogacar hatte, erreichte das Ziel mit fast 30 Minuten Rückstand.
Am Abend gab sein Team Uno-X Mobility bekannt, dass Traeen die Tour aufgeben muss. Er hatte bei seinem Sturz eine Gehirnerschütterung sowie mehrere Rippenbrüche erlitten. Der 30-Jährige wird beim siebten Teilstück nicht mehr am Start stehen. Traeen war vor vier Jahren an Hodenkrebs erkrankt und hatte sich erfolgreich zurückgekämpft.
Das deutsche Team Red Bull-Bora-hansgrohe zeigte ebenfalls eine gute Leistung. Remco Evenepoel kam als Vierter ins Ziel, während Florian Lipowitz Sechster wurde. Beide gehörten zur achtköpfigen Verfolgergruppe, zu der auch Paul Seixas zählte. Lipowitz liegt im Gesamtklassement auf dem siebten Platz mit 4:00 Minuten Rückstand auf Pogacar und bleibt damit in Reichweite des dritten Platzes. Er äußerte sich in der ARD, dass die Beine am Tourmalet nicht ganz reichten, aber die Leistung von Pogacar außergewöhnlich sei.
Pogacar übernahm mit seinem Sieg auch das Bergtrikot, da er in den Pyrenäen 25 Bergpunkte sammelte. Auch hier liegt Dauerrivale Vingegaard nun auf dem zweiten Platz. Teamchef Mauro Gianetti von UAE Emirates betonte, dass der Plan genau so gewesen sei und es eine beeindruckende Show war, auch wenn die Tour noch nicht entschieden sei.
Nach den Strapazen in den Pyrenäen steht am Freitag eine Flachetappe an. Die 7. Etappe führt über 175 Kilometer von Hagetmau nach Bordeaux und beinhaltet nur 850 Höhenmeter, was ein wahrscheinlicheres Szenario für Sprinter ist.
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Source: sportschau.de