DFB-Stars zögerten bei Elfmeterschießen: Tah übernahm Verantwortung

WM 2026: Stars duckten sich weg – Darum musste Tah beim Elfmeter ran - BILD

Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der WM im Sechzehntelfinale nach einem 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay ausgeschieden. Die Niederlage war nicht nur während der regulären Spielzeit vermeidbar, sondern auch im entscheidenden Elfmeterschießen. Intern gab es offenbar Schwierigkeiten bei der Auswahl der Schützen, insbesondere für den sechsten Elfmeter.

Jonathan Tah (30), Verteidiger des FC Bayern, trat als sechster Schütze an, nachdem die ersten fünf Versuche beider Teams zu einem 3:3 geführt hatten. Sein Schuss ging über das Tor. Dies war der erste Elfmeter in seiner Profikarriere. Berichten zufolge zögerten andere DFB-Stars, die Verantwortung zu übernehmen, was Tah dazu veranlasste, sich dem Druck zu stellen.

Herausforderungen bei der Schützenwahl

Die Suche nach einem sechsten Schützen gestaltete sich schwierig. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch mehrere Spieler auf dem Feld, die als potenzielle Schützen in Frage gekommen wären, darunter Leon Goretzka (31), Waldemar Anton (29), Nathaniel Brown (23), Malick Thiaw (24) und Torwart Manuel Neuer (40). Zuvor hatten bereits Kai Havertz (27), Joshua Kimmich (31), Jamal Musiala (23), Nick Woltemade (24) und Nadiem Amiri (29) ihre Elfmeter ausgeführt.

Tah wurde zur tragischen Figur des Abends, da bereits in der Verlängerung ein vermeintliches Kopfball-Siegtor von ihm aufgrund eines umstrittenen Fouls von Anton an Paraguays Torhüter nach VAR-Überprüfung zurückgenommen worden war. Die Situation im Elfmeterschießen, in der sich nicht genügend Profis selbstbewusst zum Punkt trauten, erinnert an das Champions-League-Finale 2012 des FC Bayern gegen Chelsea, bei dem ebenfalls einige Spieler zögerten.

Damals musste Manuel Neuer als dritter Schütze antreten und verwandelte seinen Elfmeter. Bastian Schweinsteiger (41) scheiterte schließlich mit dem fünften Elfmeter an Petr Cech (44), was zur Niederlage führte. Das Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der WM zeigt, dass der Mannschaft eine hundertprozentige Siegermentalität fehlte, was sich nicht erst im Elfmeterschießen gegen Paraguay offenbarte.

Diskussionen um die Zukunft des Bundestrainers

Trotz des frühen Ausscheidens möchte Julian Nagelsmann weiterhin Bundestrainer bleiben. Er betonte im ZDF, dass er zur Verfügung stehe und nicht weglaufen werde, auch wenn er nicht immer alles in der Hand habe. DFB-Sportdirektor Rudi Völler stärkte Nagelsmann zunächst den Rücken und bezeichnete ihn als absoluten Toptrainer, der wahrscheinlich der Richtige sei, um weiterzumachen. Eine endgültige Entscheidung soll in den nächsten Tagen getroffen werden, da Völler nicht alleine im Verband entscheidet.

Nagelsmann hatte im September 2023 die Nachfolge von Hansi Flick angetreten und war Völlers Wunschlösung. Sein Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund läuft noch bis nach der EM 2028, ebenso wie der von Völler. Die Medienarbeit von Nagelsmann und die Leistung des Bayern-Blocks nach einer erfolgreichen Saison wurden kritisch hinterfragt. Es wird auch die Frage aufgeworfen, wie weit die Nachwuchsleistungszentren von der Weltklasse in anderen Ländern entfernt sind.

Es wird zudem diskutiert, dass der Kader keine Weltklasse-Flügelspieler mehr hat und außer Havertz keine in Weltklasse ausgebildeten Stürmer, keine Sechser, die konsequent aufbauen, und keinen genialen Zehner. Jürgen Klopp äußerte sich zurückhaltend zu Spekulationen über seine Verfügbarkeit als Bundestrainer, betonte jedoch, dass strukturell frischer Wind nötig sei. Mats Hummels, Weltmeister von 2014, forderte Diskussionen über das Personal und mögliche Konsequenzen auf Seiten der Verantwortlichen. Er konnte sich auch vorstellen, dass einige Spieler zurücktreten könnten.

Das Ausscheiden der Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay hat eine Debatte über die zukünftige Ausrichtung des deutschen Fußballs ausgelöst.

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Source: bild.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.