Boston: DFB-Team scheitert im Sechzehntelfinale der WM 2026

"Peinlichkeit" - Experten rechnen mit dem DFB-Team ab

Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist bei der WM 2026 im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ausgeschieden. Nach einem 1:1 nach 120 Minuten unterlag das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann im Elfmeterschießen mit 3:4. Dieses frühe Ausscheiden markiert das dritte Mal in Folge, dass Deutschland ein großes Turnier vorzeitig verlassen muss, nachdem es bereits 2018 in Russland und 2022 in Katar in der Vorrunde scheiterte.

Die Enttäuschung über das Ergebnis war groß, sowohl bei ehemaligen Nationalspielern als auch bei den Fans. Bastian Schweinsteiger, Experte, kritisierte das „fehlende fußballerische Element, mangelnde Kreativität und unsauberes Passspiel“ der Mannschaft. Auch der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann äußerte sich deutlich und bezeichnete die Art und Weise des Ausscheidens als „niederschmetternd, eine Peinlichkeit“. Er forderte „Konsequenzen“.

Kritik und finanzielle Auswirkungen

Die Kritik richtete sich auch gegen Bundestrainer Julian Nagelsmann. Dietmar Hamann, ein weiterer Experte, sagte, dass die Auftritte im Durchschnitt enttäuschend gewesen seien, und schoss gegen den Trainer: „Offensichtlich ist es der Trainer. Es ist der Job eines Trainers, die Jungs zusammenzubekommen. Das ist ein Typ, der selten Spiele schaut.“ Auch Fans in Boston kritisierten Nagelsmann nach dem Spiel.

Das frühe Ausscheiden hat auch erhebliche finanzielle Folgen für den DFB. Für das Erreichen der ersten K.o.-Runde hätte der Verband 11 Millionen US-Dollar von der FIFA erhalten. Das Achtelfinale hätte weitere 4 Millionen Dollar eingebracht, und für das Viertelfinale wären nochmals 4 Millionen Dollar hinzugekommen. Der künftige Weltmeister erhält eine Prämie von 50 Millionen US-Dollar, während der unterlegene Finalist 33 Millionen bekommt.

Bereits vor Turnierbeginn hatte DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig darauf hingewiesen, dass es für eine europäische Nation ohne Halbfinaleinzug schwer sei, „wirtschaftlich schwarze Zahlen zu schreiben“. Insgesamt werden bei der WM 2026 871 Millionen US-Dollar an die 48 Teams ausgeschüttet. Jeder Teilnehmer, einschließlich des DFB, konnte mit 10 Millionen US-Dollar Startgeld und 2,5 Millionen Dollar für Vorbereitungskosten rechnen.

Reaktionen und Zukunftsaussichten

Nach dem Spiel kehrte die deutsche Mannschaft, zusammen mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig, nach Winston-Salem zurück. Julian Nagelsmann schloss einen Rücktritt trotz des frühen Ausscheidens aus und betonte, dass er seinen Vertrag erfüllen wolle. Rudi Völler unterstützte ihn dabei und bezeichnete ihn weiterhin als „absoluten Toptrainer“.

Für Nationalkeeper Manuel Neuer war es das letzte Länderspiel. Er hatte bereits im August 2024 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, wurde aber vor der WM 2026 von Julian Nagelsmann als Nummer eins zurückgeholt. Diese Entscheidung hatte zuvor für Diskussionen gesorgt.

Der Staatspräsident von Paraguay, Santiago Peña, erklärte den Tag nach dem Sieg über Deutschland zum nationalen Feiertag. Er schrieb auf X: „PARAGUAY GIBT NIEMALS AUF! FEIERTAG, VERDAMMT NOCH MAL!“ Der Sieg im Sechzehntelfinale war erst der zweite K.o.-Sieg für die Südamerikaner bei einer WM, nachdem sie 2010 in Südafrika das Viertelfinale erreicht hatten. Julio Enciso, der zur zwischenzeitlichen Führung traf, widmete seinen Erfolg seinem verstorbenen Großvater.

Die internationale Presse reagierte ebenfalls kritisch auf das Ausscheiden. Die spanische Zeitung „Marca“ schrieb: „Von Deutschland ist nichts mehr übrig. Nicht einmal mehr im Elfmeterschießen.“ Schiriexperte Lutz Wagner sah zudem eine Fehlentscheidung bei einem zurückgenommenen Tor von Jonathan Tah in der Verlängerung gegen Paraguay.

Jürgen Klinsmann ist Trainer der Südkoreanischen Mannschaft
Jürgen Klinsmann ist Trainer der Südkoreanischen Mannschaft Credit: sportschau.de

Bundeskanzler Friedrich Merz sprach der deutschen Mannschaft nach dem Ausscheiden Trost zu. Er schrieb auf Social Media: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“

Das Ausscheiden im Elfmeterschießen gegen Paraguay in Boston war das erste verlorene Elfmeterschießen der deutschen Nationalmannschaft bei einem großen Turnier seit dem Finale der Europameisterschaft 1976.

Read Also

Source: sportschau.de

Felix Brandt

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.